Unfall-Experte widerspricht ihm

Kassenarzt-Chef fordert E-Scooter-Verbot

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9. September 2019 - 13:51 Uhr

E-Roller sind eine „Katastrophe“

"Aus unfallchirurgischer Sicht sind E-Tretroller eine Katastrophe", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Ein Unfallforscher widerspricht ihm.

Andreas Gassen: „Sie sind zu gefährlich, also weg damit“

Seit dem 15. Juni sind E-Scooter in Deutschland im Straßenverkehr erlaubt. Keine drei Monate später fordert der Kassenarzt-Chef Andreas Gassen ein vollständiges Verbot der elektrischen Tretroller. "Überall dort, wo diese Fahrzeuge inzwischen rumfahren, haben wir deutlich mehr Verletzte", sagte der Unfallchirurg und Orthopäde der NOZ. Typische Verletzungen seien gebrochene Arme und Beine, es gebe aber auch Kopfverletzungen und Todesfälle. "Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten", erklärte Gassen. "Aus medizinischer Sicht sind sie einfach zu gefährlich, also weg damit. Die Rettungsstellen sind schon voll genug."

Der Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Versicherer (GdV) widerspricht ihm deutlich: Es sei "Quatsch", so kurz nach der Einführung von Tretrollern ein Verbot zu fordern. Denn es sei von vornerein klar gewesen, dass es zu Unfällen kommen werde. "Wir stellen auch schwere Unfälle unter Beteiligung von Radfahrern fest - aber es würde niemand auf die Idee kommen, sie im Straßenverkehr zu verbieten", sagte er der NOZ.

Vor allem das Fehlverhalten von E-Roller-Fahrern sei schuld an Unfällen

Beide Experten sind sich in einer Sache einig: vor allem das falsche Verhalten der Fahrer sei schuld an Unfällen. Aber sie kommen zu einer unterschiedlichen Schlussfolgerung. Der Kassenarzt-Chef fordert ein Verbot - der Unfallexperte schärfere Überwachung und höhere Bußgelder bei Verstößen: "Was wir brauchen, ist mehr polizeiliche Kontrolle. Es gibt zu viele Nutzer von E-Tretrollern, die zu zweit oder auf dem Gehweg fahren oder unter Alkoholeinfluss unterwegs sind." Aktuelle Unfallstatistiken zu E-Scootern liegen dem GdV Brockmann zufolge bisher noch nicht vor. Diese will die Polizei ab Januar erheben.

E-Roller-Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein und auf dem Radweg fahren. Wenn es keinen gibt, müssen sie die Straße nutzen. Gehwege sind verboten, Roller zu zweit zu benutzen ebenfalls. Welche Regeln sonst noch bei der Nutzung von E-Scootern zu beachten sind, lesen Sie hier.