Großveranstaltungen wieder möglich?

„Man kann den Panikmodus ausschalten": Kassenärzte fordern Lockerung der Corona-Regeln

Andreas Gassen, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Foto: Annegret Hilse/Reuters-Pool/dpa
© deutsche presse agentur

15. September 2020 - 9:28 Uhr

„Die Zahlen geben Anlass, Corona-Maßnahmen zu überdenken"

Ist eine Lockerung der Corona-Regeln aktuell sinnvoll? Dafür plädiert zumindest der Chef des Kassenärzte-Verbandes – zum Beispiel im Umgang mit Großveranstaltungen wie Stadienbesuchen. "Man kann den Panikmodus ausschalten", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) dem Wirtschaftsmagazin "Business Insider". Es gebe derzeit keine Corona-Hotspots mit explosionsartig steigenden Infektionszahlen, auch die Zahlen der Intensivpatienten und der Sterbefälle seien auf niedrigem Niveau, so Gassen. "Die Zahlen geben Anlass, Corona-Maßnahmen zu überdenken, ohne leichtsinnig zu werden."

+++ Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus können Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de nachlesen +++

KBV-Chef schlägt Stadionbesuche mit 5000 bis 8000 Menschen vor

Konkret bezog sich der KBV-Chef auf Veranstaltungen. "Mir leuchtet nicht ein, warum in einem Stadion für bis zu 60.000 Menschen nicht Veranstaltungen mit 5000 bis 8000 Menschen Platz finden können, wie es Ende August in der Waldbühne in Berlin ja erfolgreich praktiziert wurde." Entscheidend sei hierbei lediglich, wie man Nadelöhre mit engen Kontakten vermeide, damit das Ansteckungsrisiko minimiert werde. Die Gefahr einer zweiten Welle könne man aktuell nicht seriös bewerten, erklärte Gassen. "Ich weiß nicht, ob es eine echte zweite Welle oder eher mehre kleinere 'Dauerwellen' geben wird."

+++ Neue Theorie: Macht die Maskenpflicht uns immun gegen Corona? +++

Auch Virologe Streeck plädiert für neue Strategie

Auch der Virologe Hendrik Streeck regte zuletzt eine Debatte über Umfang und Dauer der staatlichen Beschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie an. "Ich plädiere für einen Strategiewechsel", sagte der Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Universität Bonn der "Welt am Sonntag". Man dürfe sich bei der Bewertung der Situation nicht allein auf die reinen Infektionszahlen beschränken, sagte er. Zwar steige die Zahl der positiv getesteten Menschen in Deutschland und Europa signifikant an. "Gleichzeitig sehen wir aber kaum einen Anstieg der Todeszahlen." Er verwies unter anderem auf die Bedeutung von Antigen-Schnelltests, mit denen es möglich sei, eine Infektion innerhalb von wenigen Minuten festzustellen. Mit diesen könnte beispielsweise das Pflegepersonal in Heimen und Kliniken regelmäßig getestet werden. "Menschen würden so nicht weggesperrt, aber viel besser geschützt", so Streeck.

Quelle: DPA/RTL

Video-Playlist: Alles, was Sie jetzt über das Coronavirus wissen müssen