Kassenärzte-Chef Gassen will Gebühr für Notaufnahme in Krankenhäusern

Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Foto: Britta Pedersen
Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Foto: Britta Pedersen
© deutsche presse agentur

16. Juli 2018 - 11:25 Uhr

Nur die sollen in die Notaufnahme kommen, die später auch stationär behandelt werden

Deutschlands Krankenhäuser haben ein Problem: Zu viele Patienten, zu wenige echte Notfälle in der Notaufnahme. Andreas Gassen, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), hat einen Vorschlag, um das Problem zu lösen: "Wenn sich bestimmte Patienten dem Angebot der niedergelassenen Ärzte dauerhaft entziehen und das System nach Gusto nutzen, wie es ihnen gerade einfällt, muss das finanzielle Sanktionen nach sich ziehen", sagte Gassen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Um überflüssige Besuche in der Notaufnahme von Krankenhäusern zu verhindern, will Gassen notfalls eine Gebühr von den Patienten verlangen.

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"Eine finanzielle Steuerung wäre genau der Hebel, der helfen würde. In vielen anderen Ländern Europas ist so etwas längst üblich", so Gassen. 

Patientenschützer üben Kritik an Gassens Vorschlag

Gassens Ansicht nach gehört der Großteil der Patienten, der in die Notaufnahme kommt, nicht dorthin. "Ziel muss sein, dass wir nur noch diejenigen in den Notaufnahmen haben, die später auch stationär behandelt werden müssen", betonte der KBV-Vorsitzende. Alle anderen müssten ambulant versorgt werden. Dafür sei eine bundesweite Lösung erforderlich.

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Die gesetzlichen Krankenversicherungen sprechen von einer "merkwürdigen Idee"

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert die Vorschläge. "Mit einem Trommelfeuer versuchen die Kassenärzte, von ihrem eigenen Versagen abzulenken", sagte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch. Tatsächlich würden Hausbesuche immer mehr heruntergefahren und Öffnungszeiten der Praxen eigenmächtig gekürzt, während das Milliarden-Budget dafür von Jahr zu Jahr steige. "Konsequent wäre es, die Kassenärztlichen Vereinigungen für die Patienten in den Notaufnahmen zahlen zu lassen", betonte Brysch.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) sprachen von einer "merkwürdigen Idee". "Erst kümmern sich die Kassenärztlichen Vereinigungen jahrelang nicht ordentlich um den Bereitschaftsdienst in der Nacht, an den Abenden und den Wochenenden und jetzt, wo die kranken Menschen die Kliniken aufsuchen, will der Chef des Kassenärzte sie dafür mit Zusatzkosten bestrafen", sagte ein Sprecher. Die Versorgung müsse dort organisiert werden, wo die Menschen sie bräuchten.


Quelle: DPA / RTL.de