Bedroht, weil sie die Corona-Regeln beachten

"Querdenker" in Kassel wollen Mutter und ihren Kindern (5 und 8) Masken abreißen

Tausende haben sich vor dem Fridericianum versammelt.
Tausende haben sich vor dem Fridericianum versammelt.
© imago images/Leonhard Simon, Leonhard Simon via www.imago-images.de, www.imago-images.de

23. März 2021 - 15:10 Uhr

Aggressive Stimmung in der Innenstadt

In Kassel werden noch immer die Ereignisse vom Samstag verarbeitet. Rund 20.000 Menschen haben dort ohne Masken und Abstand gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert – und andere Meinungen nicht zugelassen. Sogar vor Kindern machten die "Querdenker" anscheinend keinen Halt.

Mutter berichtet: Maskenträger wurden zur Zielscheibe

Eine 45 Jahre alte Therapeutin aus Kassel hat am eigenen Leib erfahren müssen, wie es ist, zum Hass-Objekt der Corona-Leugner zu werden, dabei hatte sie nur einen Mund-Nasen-Schutz getragen. Zusammen mit ihren beiden 5 und 8 Jahre alten Kindern ist sie in die Kundgebung geraten, wie sie der HNA berichtet. Aus Angst vor Übergriffen möchte sie anonym bleiben. Auch RTL hat mit ihr gesprochen und ihre Geschichte angehört.

"Querdenker" wollen Kinder einkesseln

Zusammen mit ihren Kindern will sie am Samstagvormittag das Naturkundemuseum besuchen. "Ich habe mich vorab im Internet erkundigt, hier soll es sicher sein", sagt sie im Gespräch mit RTL. Sämtliche Demozüge waren verboten, eine genehmigte Kundgebung weit weg. Keine Sorge also vor einem stressigen Tag. Doch während sie im Museum durch die Naturgeschichte gehen, versammeln sich vor den Museumstüren immer mehr Demonstranten. Auch kommen immer mehr Polizeiautos zusammen. Die Kinder finden das anfangs noch spannend.

Problematisch sei es geworden, als die Familie das Museum verlassen will. Mit ihren Masken auf den Fahrrädern werden sie sofort als Befürworter der Corona-Maßnahmen angepöbelt, sagt die Frau. "Es war eine aggressive Stimmung, das hat sich in Sekunden hochgeschaukelt." Es seien keine "Hooligans" gewesen, die geschimpft haben, sondern "ganz normale Leute aus den 60ern". Sie sind drohend und schimpfend auf die Frau mit ihren Kindern zugelaufen: "Unsere Masken wurden regelrecht zur Zielscheibe."

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Sie versuchte, mit ihren beiden Söhnen schnell in die benachbarten Auen zu kommen, als plötzlich eine Gruppe "Querdenker" drohte, sie zusammen mit ihren Kindern einzukesseln. "Wir mussten nur schnell durch und sind auf unsere Räder und losgefahren", erklärt sie. Aber die Demonstranten wären näher gekommen und hätten frauenverachtende Schimpfwörter gerufen. "Ich sei eine Kinderschänderin und hirnverwaschen, weil die Kinder Masken auf hatten", erinnert sich die 45-Jährige aus Kassel, die sich und ihren Nachwuchs mit den Masken vor Corona schützen wollte.

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Sie habe sich mit ihren Kindern regelrecht durch die Menge kämpfen müssen. Keiner der Demonstranten habe, wie es eigentlich Pflicht ist, eine Maske getragen oder darauf geachtet, dass die Kinder noch klein sind. "Stattdessen wird geschimpft, warum man die Kinder quäle", sagt die Frau. Einige hätten sogar damit gedroht, den Kindern die Masken abzureißen.

"Zuhause habe ich erstmal gezittert", so die Mutter, die ihren Kinder lange erklärt, dass es auch Menschen mit anderer Meinung gibt. Dass diese Menschen ihre Meinung aber offenbar nicht mit Argumenten sondern mit Lautstärke und drohender Gewalt äußern, das schockiert die 45-Jährige auch drei Tage nach der Demonstration.