Experte: Nicht mal die Hälfte der Filialen haben Potenzial

Karstadt Kaufhof plant Filialschließungen und Jobabbau

13. Mai 2020 - 6:51 Uhr

Warenhausriese unter Schutzschirm

Die Warenhäuser von Karstadt und Galeria Kaufhof können zwar wieder ganzflächig öffnen, doch die Schließungen in den vergangenen Wochen haben den Handelskonzern nach eigenen Aussagen hart getroffen. Galeria Kaufhof Karstadt kämpft mit einem Schutzschirmverfahren ums Überleben, und die Mitarbeiter müssen um ihre Jobs bangen. Mit einem Brief bereitet das Management die Mitarbeiter auf Filialschließungen und einen Arbeitsplatzabbau vor. Doch der Kaufhausgigant hat nicht erst seit Corona Probleme. Warum das so ist und ob die Warenhauskette überhaupt noch eine Zukunft hat, erklärt Handelsexperte Jörg Funder im Video.

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Brief an die Mitarbeiter

Darin heißt es, dass die Sanierung von Galeria Karstadt Kaufhof "weit entschlossener ausfallen muss, als wir alle uns das wünschen würden". Es müsse also zu "Standortschließungen und dementsprechend auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommen". Galeria Karstadt Kaufhof beschäftigt mehr als 28.000 Mitarbeiter. Die neue Entwicklung dürfte die Sorgen über die Zukunft des Warenhausriesen noch verstärken.

Gewerkschaft über Brief empört

Bei der Gewerkschaft Verdi sorgt der Mitarbeiterbrief für Empörung.  Statt "Kürzungsorgien" einzuleiten, solle das Management und der gerichtlich bestellte Sachverwalter lieber Wege finden, Beschäftigten und Filialen eine Zukunft zu bieten. Genau das dürfte aber schwierig werden. Schon vor der Corona-Epidemie ging es Karstadt und Galeria Kaufhof nicht gut. Immer weniger Menschen zieht es in die großen Warenhäuser. Dagegen boomt der Online-Handel.

Handelsexperte: Für 70 Filialen Potential vorhanden

Derzeit hat Galeria Karstadt Kaufhof rund 170 Häuser. Handelsexperten gehen aber davon aus, dass deutlich weniger überlebensfähig sind. "Wir haben prognostiziert, dass für ein zentralisiertes Warenhauskonzept in Deutschland für 70 Filialen ein Potential vorhanden ist", sagt Jörg Funder vom Institut für Internationales Handels- und Distributionsmanagement an der Hochschule Worms. Das wären weniger als die Hälfte. "Da weiß man, dass es deutliche Einschnitte geben könnte", sagt Funder.

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