Darum feiert der Kölner Carsten Lueb trotz Corona-Pandemie

Karneval findet statt!

Karneval ist ein Lebensgefühl, eine Lebenseinstellung, Karneval ist eine Haltung!
Karneval ist ein Lebensgefühl, eine Lebenseinstellung, Karneval ist eine Haltung!
© picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

10. Februar 2021 - 17:53 Uhr

Von RTL-Reporter Carsten Lueb

Zunächst einmal die gute Nachricht: Karneval findet statt! Gut, Veranstaltungen wie Karnevalszüge, Sitzungen, Bälle, Partys oder der Kneipenkarneval mögen pandemiekonform gestrichen sein, aber den Karneval als solchen kann man gar nicht absagen. Denn Karneval ist kein Event oder irgendeine Heißa-Juchhe-Veranstaltung, Karneval ist ein Lebensgefühl, eine Lebenseinstellung, Karneval ist eine Haltung!

Der Kölsche ist zäh - Karneval gehört zu seiner DNA

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Karneval geht in dieser Stadt tiefer als Partys und Rosenmontagszug, schreibt RTL-Reporter Carsten Lueb
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"Lävve und Lävve losse" (Leben und leben lassen), "Jeck, loss Jeck elans" (sinngemäß: Alle Gleichgesinnte vorlassen) sind Ausdruck tief verwurzelter rheinischer Gelassenheit und Toleranz. Mir ist vollkommen klar, dass es oft müßig und sehr schwierig ist, den rheinischen Karneval Menschen jenseits des Regierungsbezirks Köln zu erklären. Das habe ich schon zu oft und meist erfolglos versucht.

Trotzdem, der Kölsche ist zäh, noch ein Versuch: Sie kennen die TV-Sitzung aus dem Gürzenich und vielleicht noch den Rosenmontagszug live und in Farbe? Aha, dann sind Sie ja Experte für den Karneval in Köln.

Weit gefehlt, denn der Karneval in dieser Stadt geht tiefer, gehört zur Kölner DNA, ist bunt und vielfältig, heute würde man vielleicht gar von "Diversity" sprechen.

Karneval beginnt schon nach den Sommerferien

Im Prinzip beginnt der Karneval nach den Sommerferien. Die Tanzgruppen der Karnevalsgesellschaften intensivieren das Training, viele Vereine oder lose Gruppen planen ihre Teilnahme an einem der vielen Züge in den Vierteln oder Vororten. Und wer etwas auf sich hält, beginnt im Herbst damit, sein Kostüm zu nähen oder zu basteln.

Man trägt in den Kalender den Beginn des Vorverkaufs für die Stunksitzung ein, die rund 50.000 Tickets sind im Nu vergriffen. Die Stunksitzung entstand in den 80er Jahren im alternativen Studentenmilieu, gedacht als Kritik am offiziellen Karneval. Nach mehr als 30 Jahren sind Stunker aber – ob sie wollen oder nicht – fester Bestandteil des Karnevals.

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„Loss mer singe“

Der Kölner an sich singt gern und so kann auch zum Beispiel ein Sommerfest oder eine Weihnachtsfeier im gemeinsamen Singen kölscher Lieder enden. Der eine oder andere hat dann gar Pippi in den Augen und es ist sehr gefühlsbetont. Man feiert sich, das Leben, die Freunde, die Stadt – und das geht in Köln immer. "Loss mer singe" (Lass uns singen) ist halt eine Veranstaltung, die durch nahezu jede anständige Kneipe tourt. Die neuen Lieder wollen dabei auch gelernt sein und bei der Gelegenheit kann man auch gleich den Hit der Session küren.

Und dann kommt eine Pandemie daher und macht dem Ganzen einen dicken Strich durch die Rechnung. Und das schmerzt besonders die vielen, vielen Aktiven, die sich oft hingebungsvoll in den verschiedenen Karnevalsgesellschaften engagieren.

Egal. Die ortsansässige Presse ruft dazu auf, sich zu Hause zu verkleiden und die Fotos zu posten. Der Kölner macht das. Denn in der Regel verfügt er über eine langjährige Karnevals-Sozialisation. Vom Kostümfest im Kindergarten, über Kamelle sammeln im Grundschulalter, bis zu krachenden Oberstufenpartys, bevor man dann mit Anfang 20 so richtig beim Kneipenkarneval Gas gibt; halt eine durchschnittliche Jecken-Laufbahn.

Kein Karneval, keine Fastenzeit

Nur man darf gar nicht zu sehr nachdenken, allein das Schreiben dieser Zeilen führt zu einem Kloß im Hals: kein Auftakt an Weiberfastnacht in der Stammkneipe mit Freunden, Bekannten und Unbekannten. Keine ausufernden Diskussionen, ob oder ob man nicht am Samstag am Geisterzug teilnimmt oder direkt in der Kneipe feiert, keine Messenger-Schlachten am Sonntag, ob das Wetter gut genug ist für den Schul-und Viertelszug. Und Rosenmontag gehe ich zum Zahnarzt statt vom heimischen Balkon die Aufstellung des Zugs zu überwachen. Keine Nubbelverbrennung am Dienstag, dafür dann aber auch keine Fastenzeit bis Ostern - ohne Alkohol oder Fleisch oder Süßigkeiten. Ätsch!

Corona Du bist ein Biest, aber Du kriegst uns nicht kaputt!

So hat es auch was Gutes. Wir werden traurig sein, es tapfer ertragen, ein bisschen Solokarneval feiern, "In unserm Veedel" summen oder, wie mein Freund Albert vorschlug, Rosenmontag alleine die Bonner Straße runterziehen und auf der Brotdose trommeln.

2021 wollen wir es einfach mal ganz langsam angehen lassen und 2022 sind wir wieder da. Dann aber richtig und mit Kawumm! Jetzt schunkeln wir im eigenen Haushalt, egal. Karneval ist kein Fest, Karneval ist ein Gefühl! Dreimol Kölle Alaaf!

Und denkt daran Urlaub zu beantragen: Am 24. Februar 2022 ist Weiberfastnacht!!!

Corona Du bist ein Biest, aber Du kriegst uns nicht kaputt!