Corona-Lage spitzt sich zu

Lauterbach: Lockdown vielleicht schon in den nächsten Wochen

26. Oktober 2020 - 10:54 Uhr

Zahl der Neuinfektionen steigt stark an

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt drastisch an. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schätzt ein, dass wir aktuell vielleicht nur noch wenige Wochen von einem längerfristigen Lockdown entfernt sein könnten.

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Lauterbach: Erneuter Lockdown ist wahrscheinlich

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält einen erneuten Lockdown binnen Wochen für wahrscheinlich, sollte eine Eindämmung der Neuinfektionen nicht gelingen. "Wenn es uns in den kommenden zwei bis drei Wochen nicht gelingt, die persönlichen Kontakte zu beschränken, werden die Zahlen in wenigen Wochen so stark gestiegen sein, dass uns nur noch ein erneuter Lockdown bleibt", sagte Lauterbach der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht.

"Die Einschränkungen, die jetzt beschlossen wurden, reichen leider nicht aus, um überfüllte Intensivstationen und einen deutlichen Anstieg der Todeszahlen im Dezember zu verhindern. Da müssen wir nachjustieren", so Lauterbach.

Welche Corona-Maßnahmen besonders effetkiv sind, schätzt der Hygieniker Dr. Georg-Christian Zinn hier ein. 

Der SPD-Politiker forderte unter anderem geteilte Klassen in den Schulen. "Wenn wir nicht wollen, dass die Schulen mit regelmäßigem Schulausfall auch noch zu Hotspots werden, sollten die Schulklassen jetzt aufgeteilt werden in Vormittags- und Nachmittagsunterricht." Jeder Kontakt, egal wo, könne kontaminiert sein. "Es reicht allein nicht mehr, nur vorsichtig zu sein und die AHA+L-Regeln einzuhalten."

Deutschland stehe an "absolut kritischer Schwelle"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält eine drastische Kontaktreduzierung für notwendig, um eine Serie von Corona-Lockdowns im Winter noch abzuwenden. "Eine echte Entspannung der Lage ist erst im späten Frühjahr zu erwarten. Bis dahin müssen wir aber durchkommen", sagte Lauterbach im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Entweder durch freiwillige Kontaktbeschränkung eines jeden Einzelnen, und zwar weit über den Verzicht auf Feiern hinaus, oder durch immer neue Zwangs-Lockdowns", so der SPD-Politiker.

"Wird das Virus laufen gelassen, schießen die Zahlen so schnell in die Höhe, dass die Krankenhäuser überfordert sind und viel zu viele Menschen an Corona sterben", sagte der Epidemiologe, der schon vor Wochen vor einem starken Anstieg der Infektionszahlen gewarnt hatte, wie er nun zu beobachten ist. "Wir müssen also ganz schnell die persönlichen Kontakte herunterfahren, damit wir nicht in einem Monat im Gesundheitsnotstand aufwachen." Deutschland stehe an einer "absolut kritischen Schwelle", sagte Lauterbach. "Wir wünschen uns doch wirklich alle, mit Corona zu leben. Aber das exponentielle Wachstum lässt das einfach nicht zu. Man kann sich keinen Tiger als Haustier halten."

Quelle: DPA/ Reuters/ RTL.de