Erstes längeres Interview der Kanzlerin mit US-Sender

Angela Merkel bei Amanpour (CNN): "Wir müssen wachsam sein!"

31. Mai 2019 - 13:27 Uhr

Im Video: Angela Merkel über den Kampf gegen Antisemitismus

Die Kanzlerin ist nicht dafür bekannt, dass sie ihre Politik gern erklärt, gerade ausländischen Medien gibt sie nur selten Interviews. Doch jetzt spricht sie mit CNN-Starjournalistin Christiane Amanpour - unter anderem über den Kampf gegen Antisemitismus. 

"Die Würde des Menschen ist unantastbar"

Aufgezeichnet wurde das Interview bereits am Montag in Berlin, ausgestrahlt wird es an diesem Dienstag um 19 Uhr deutscher Zeit auf CNN International. Christiane Amanpour spricht Angela Merkel darin direkt darauf an, dass in ihrer Amtszeit "sehr dunkle Kräfte" an Boden gewonnen hätten - Nationalismus, Populismus und Antisemitismus.

Merkel antwortet, solche Entwicklungen gebe es derzeit "leider überall", und es sei für Deutschland auch keine neue Entwicklung. Dennoch macht sie unmissverständlich klar, wie gefährlich gerade Antisemitismus ist. In Deutschland müssten solche Entwicklungen zudem vor dem Hintergrund der eigenen Geschichte gesehen werden. "Umso aufmerksamer, umso wachsamer müssen wir sein." Der jungen Generation müsse erklärt werden, warum Artikel eins des Grundgesetzes so wichtig sei: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Merkel weiter: "Das muss von Generation zu Generation wieder geleistet werden. Diese Arbeit ist mehr geworden, da haben Sie vollkommen Recht. Aber sie muss gemacht werden."

"Wir müssen beim Klimawandel bessere Antworten geben"

Amanpour fragt Merkel auch nach dem Ausgang der Europawahl - im Video. Merkel räumt ein, dass die Grünen "recht stark" abgeschnitten hätten. Das habe mit Themen zu tun, "die die Menschen im Augenblick sehr bewegen", zum Beispiel dem Klimawandel. Für ihre Partei sei dies eine "Aufforderung, noch bessere Antworten auf diese Fragen zu finden". 

Erstes längeres Interview der Kanzlerin mit einem US-Sender

Dass es zu dem Interview kam, ist für Christiane Amanpour ein großer Erfolg. Ausländischen Medien gibt die Kanzlerin nur selten Interviews. Es ist denn auch das erste längere Interview von Merkel mit einem US-Sender.

Amanpour ist eine erklärte Bewunderin der Kanzlerin. Im Januar hielt sie eine Lobrede auf Merkel, als ihr ein wichtiger internationaler Preis verliehen wurde, der Fulbright Prize for International Understanding. Sie fühle sich geehrt, über eine Frau sprechen zu dürfen, "die ich so sehr bewundere, in einem Land, das ich so sehr bewundere", sagte Amanpour damals. Im Interview mit der Nachrichtenseite n-tv.de merkte sie später noch an, sie würde Merkel "äußerst gerne einmal interviewen".

Ehrendoktortitel am Donnerstag in Harvard

Am Mittwoch reist Merkel übrigens in die USA. An der Elite-Universität Harvard im Bundesstaat Massachusetts hält sie am Donnerstag die Rede zum feierlichen Abschluss des akademischen Jahres. Außerdem wird die Uni ihr einen Ehrendoktor verleihen. Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump ist, soweit bekannt, nicht geplant.