Sägen, Messer und Blutspuren in der Wohnung des Beschuldigten

Kannibalismus-Mord in Berlin? Taxifahrer führte Polizei zum Täter

20. November 2020 - 15:16 Uhr

Spaziergänger fanden Knochen in Berliner Waldstück

Es ist ein grausiger Verdacht, dem Ermittler in Berlin nachgehen. Ein seit September vermisster Mann aus Lichtenberg ist möglicherweise Opfer eines Kannibalen geworden. Spaziergänger fanden seine Knochen Anfang November in einem Wald; ein Tatverdächtiger wurde festgenommen. Hat er das Opfer möglicherweise gegessen?

Im Internet nach Kannibalismus-Infos gesucht

Was ist in der Nacht passiert, als Stefan T. getötet wurde? Die Berliner Staatsanwaltschaft hat erläutert, wie die Ermittler dem mutmaßlichen Täter Stefan R. rund zwei Wochen nach dem Knochenfund auf die Spur gekommen sind. Laut Sprecher Martin Steltner wurden dazu zunächst die Handydaten des Opfers ausgewertet: "Diese Ermittlungen haben zu einem Taxifahrer geführt und dieser Taxifahrer konnte Angaben machen zum letzten Zielort des Mannes. Ermittlungen im Umfeld des Zielortes mit Mantrailer-Hunden haben dann dazu geführt, dass der Mann dort gewesen war."

Weitere Ermittlungen ergaben, dass Stefan T. und der mutmaßliche Täter über eine Dating-Plattform Kontakt hatten. Daraufhin griffen die Beamten zu und durchsuchten die Wohnung von Stefan R. "Bei dieser Wohnungsdurchsuchung sind einschlägige Werkzeuge, Messer etc sowie Blutspuren sichergestellt worden", sagt Martin Steltner.

Auch Sägen fanden die Beamten. Dazu Hinweise, dass der Beschuldigte zu Kannibalismus recherchiert haben soll. Außerdem waren die gefundenen Knochen laut Steltner "skelettiert". Deshalb gehen die Ermittler davon aus, dass Stefan R. das Opfer gegessen haben könnte.

Nachbarin von Stefan T.: "Glaube nicht, dass er einverstanden war"

Der Fall erinnern an den Kannibalen von Rothenburg im Jahr 2001. Damals hatte der Täter einen Mann aus Berlin getötet und teilweise gegessen, angeblich mit Einwilligung des Opfers.

Dass sich auch der 44-Jährige Stefan T. absichtlich in die Hände eines Kannibalen begeben haben könnte, glaubt seine Nachbarin Alexandra Marin nicht, erzählt sie mit RTL-Interview: "Er war ein lebensfroher Mann, ich glaube nicht, dass er einverstanden war. Vielleicht wurden ihm k.O.-Tropfen verpasst, ich weiß es nicht. Also ich glaube nicht, dass es sein Vorhaben war." Auch die Staatsanwaltschaft bestätigt, sie habe bislang "keinerlei Hinweise, dass der Geschädigte irgendwie an diesem Geschehen im Sinne von einer Einvernehmlichkeit beteiligt war."

Stefan T. hat in Berlin als Monteur gearbeitet und soll am 5. September um Mitternacht seine WG im Stadtteil Lichtenberg verlassen haben. Seitdem galt er als vermisst. Alexandra Marin hatte Stefan T. seit Jahren gekannt. Zunächst hatte er mit seiner Freundin und einem Kind in der Wohnung gewohnt, dann schließlich mit einem Mitbewohner in einer WG.

Wurde Stefan T. Opfer eines Kannibalen?
Mit diesem Foto war nach Stefan T. gesucht worden.
© Polizei Berlin

Dort habe er sich immer vorbildlich verhalten: "Er ist hilfsbereit gewesen, er hat gegrüßt. Wenn es mal ein bisschen lauter war, seine Mitbewohner gefeiert haben, hat er sich entschuldigt dafür."

Dass er bisexuell gewesen sein soll, überrascht sie, weil Stefan T. immer Frauenbekanntschaften gehabt habe.

Verdächtiger Stefan R. ist Lehrer

Der Verdächtige Stefan R. (41) ist nach eigenen Angaben Lehrer für Mathe und Chemie. Die Staatsanwaltschaft hat Haftbefehl gegen ihn erlassen – der Vorwurf: Sexualmord aus niedrigen Beweggründen. Seine Nachbarn sind entsetzt: "Es fühlt sich an, wie in einem schlechten Horrorfilm", sagt eine von ihnen im Video.