2018 M12 18 - 23:21 Uhr

Nasendusche mit Leitungswasser benutzt - mit fatalen Folgen

Um eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung in den Griff zu bekommen, riet der Arzt einer 69-jährigen Frau aus dem Bundesstaat Washington zu regelmäßigen Nasenduschen. Doch die Frau benutzte dabei weder steriles oder abgekochtes Wasser, noch fügte sie die entsprechenden Salze hinzu. Knapp ein Jahr später starb die Frau an einer Infektion ihres Gehirns.

Tödliche Amöbe gelangt ins Gehirn

Laut eines aktuellen Berichts des Fachblattes "International Journal of Infectious Diseases" (IJID) nistete sich die Amöbenart "Balamuthia mandrillaris" im Gehirn der Amerikanerin ein und verursachte eine heftige Infektion. Ein Jahr nachdem sie mit den Spülungen begonnen hatte, wurde sie mit Krampfanfällen ins Krankenhaus eingeliefert. Zuerst vermuteten die behandelnden Ärzte einen Hirntumor. Erst eine Schädelöffnung brachte die Gewissheit: Es handelte sich um eine Infektion. Trotz sofortigem Einsatz von Spezial-Medikamenten fiel die Patientin erst ins Koma und verstarb schließlich.

Nasenduschen sind populär - sind sie gefährlich?

Trockene Raumluft, gereizte Schleimhäute, Kribbeln, Niesen - zack, schon ist in der kalten Jahreszeit der nächste Schnupfen da! Um dem langfristig aber auch akut vorzubeugen, greifen auch in Deutschland viele Menschen regelmäßig zur Nasendusche. Denn so werden Viren und Bakterien schnell ausgeschwemmt. Die dem lauwarmen und sterilen Wasser beigefügten Salze helfen die Nasenschleimhäuten zu stabilisieren. 

Kann sowas auch bei uns passieren?

Der Fall der 69-jährigen Frau aus Washington ist kein Einzelfall. Wie die Ärztezeitung berichtet, sind in den vergangenen Jahren vermehrt Fälle von Amöben-Infektionen durch Nasenspülung bekannt geworden. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA rät deswegen, zur Nasenspülung auschließlich steriles, abgekochtes oder gefiltertes Wasser zu benutzen.

Allerdings haben Forscher der University of Mississippi in Jackson 2017 getestet, welche Methode am besten wirkt: UV-Filterung, Kohlenwasserstofffilter oder Abkochen? Die Filter reduzierten nur die Menge an Erregern, nur UV-Bestrahlung und Abkochen töteten sie ganz ab.

Und in Deutschland? Die deutsche Trinkwasserverordnung ist eine der strengsten weltweit. "Besonderes Augenmerk", so Bernd Hartung der Gelsenwasser AG in Gelsenkirchen, "legt sie auf die bakteriologische Qualität und fordert, dass das Trinkwasser frei von Krankheitserregern sein muss." Das heißt: Mit regelmäßigen Untersuchungen, abhängig von der Größe eines Wasserwerks mehrmals täglich, wird der Zustand überwacht, auch im Rohrnetz. "Die Wasserversorger sind gehalten", so Hartung, "ihren Kunden bakteriologisch einwandfreies Wasser zu liefern." Allerdings schränkt der Experte ein: "Eine andere Frage ist der Zustand der Hausinstallation, für die der Hauseigentümer verantwortlich ist." Mit anderen Worten: Das Wasser vom Wasserversorger ist bis zur Haustür einwandfrei - aber die Wasserrohre im Haus sind außerhalb deren Zuständigkeit.

Deswegen: Kochen Sie für Ihre Nasenspülung das Wasser vorher am besten ab! Denn während Leitungswasser als Trinkwasser auf die Säurebarriere des Magens stößt, kommt es durch die Nasenspülung zum direkten ungeschützten Kontakt mit dem zentralen Nervensystem.