Co-Autoren des Strategie-Papiers im RTL-Interview

Kann die Null-Fälle-Strategie Deutschland aus der Corona-Krise führen?

Wie kann Deutschland es schaffen, die Corona-Infektionen auf null zu bringen?
© iStockphoto, Serhii Sobolevskyi

21. Januar 2021 - 21:59 Uhr

Inzidenz von "0" - wie kann das in Deutschland gelingen?

Wie kann in Deutschland wieder so etwas wie Normalität einkehren? Experten, darunter auch Berater der Bund- und Länderchefs, sind für eine neue Strategie zur Bekämpfung des Coronavirus. Ihr ausgerufenes Ziel: "NO COVID". Statt ewig andauernden, mäßigen Einschränkungen, fordern sie einen harten, aber dafür kürzeren Lockdown. Dabei setzen die Experten aber auch auf klare Ziele und "grüne Zonen" als Belohnung, wenn die Inzidenzwerte auf sehr niedrigem Niveau bleiben. Liegt der Inzidenzwert über längere Zeit bei null, sollen sogar sämtliche Beschränkungen aufgehoben werden. Im Interview mit RTL erklären uns zwei der Experten, warum es so wichtig ist, die Infektionen auf null zu bringen – und wie das in Deutschland gelingen kann.

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„Eine Strategie ist immer nur so stark wie das schwächste Glied in der Kette.“

Der Virologe Rolf Apweiler, Direktor des Europäischen Instituts für Bioinformatik, gehört zu den Fachleuten, die die Bundesregierung und Länderchefs vor der Lockdown-Verlängerung beraten haben und ist einer der Co-Autoren der Null-Fälle-Strategie. Er ist davon überzeugt: "Eine Strategie, um eine Epidemie in den Griff zu bekommen, ist immer nur so stark wie das schwächste Glied in der Kette." Deshalb, erzählt der Experte im RTL-Interview, müsse man sicherstellen, dass die wichtigsten Schritte der Pandemie-Bekämpfung funktionieren: "Was wir haben wollen ist, dass wir möglichst schnell eine infizierte Person identifizieren können, dass die Gesundheitsämter dann sehr schnell in der Lage sind, die infizierte Person zu kontaktieren, dass sie die Kontaktnachverfolgung durchführen können, um dann die Leute zu isolieren."

Dafür müsse man zunächst fragen, welche Kapazitäten in puncto Sequenzierung, PCR-Testung sowie bei den Gesundheitsämtern vorhanden seien – "und zwar im Normalfall, in der Spitze und im Extremfall." Dann wisse man, welches Inzidenz-Level wir in Deutschland tolerieren können. "Und wenn man das weiß, dann können wir sagen: Diese Inzidenzzahl – ob die jetzt zehn oder zwanzig oder wie auch immer heißt – das können wir als Ziel angehen", so Rolf Apweiler. "Und darauf müssen wir dann hinsteuern."

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Wettrennen zur Corona-freien Zone

Allgemeinmediziner Dr. Markus Beier, Vorsitzender Bayerischer Hausärzteverband und Co-Autor der Null-Fälle-Strategie, glaubt, die Inzidenz von null zu erreichen, müsse der erste Schritt aus der Corona-Krise sein. Dafür sei besonders wichtig, dass jeder einzelne Bürger seine Mobilität und Kontakte reduziere. "Die erste Maßnahme ist, bitte verhaltet euch wieder so wie im April", lautet die Forderung des Mediziners.

Er baut dabei vor allem auch auf den "sportlichen Effekt" der von den Experten vorgeschlagenen grünen Zonen. "Wir wollen das gemeinsam als Landkreis XY schaffen und wieder grün werden, uns wieder treffen können und essen gehen können und Kultur und Schule haben - das soll in einen richtigen Wettbewerb überführt werden", erklärt Dr. Beier im RTL-Interview.

Hinkt der Vergleich mit Australien?

In der australischen Metropole Melbourne, so die Autoren des "NO COVID"-Papiers, hätte ein ganz ähnliches Konzept zum Erfolg geführt. Dort konnte die Bevölkerung nach einem harten Lockdown stufenweise zurück zur Normalität. Doch hinkt der Vergleich mit Australien nicht ein bisschen? Schließlich handelt es sich bei Deutschland um nicht um einen Inselstaat, sondern um ein Land in der Mitte Europas. Dr. Markus Beier ist überzeugt: Was in Australien funktioniert, kann auch hierzulande klappen. "Wir müssen uns fragen: Was passiert an den Grenzen? Wie geht man da mit Mobilität um? Da muss man den australischen Weg vielleicht auch ein bisschen anpassen", so der Mediziner. Australien habe es beispielsweise ohne Maskenpflicht geschafft, hier könnte man in Deutschland, so Dr. Beier, "nochmal besser werden", indem man sehr viele FFP2-Masken einsetze. "Dann können wir vielleicht auch an den Grenzen nicht ganz so streng sein, weil wir als Transit-Land andere Bedürfnisse haben."

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