Kandel-Prozess: 8,5 Jahre Haft für Abdul D. - ist das zu wenig?

04. September 2018 - 9:49 Uhr

Vergleichsweise mildes Urteil für Abdul D.

Abdul D. muss für den Mord an der 15-jährigen Mia aus Kandel acht Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Der Fall wurde nach Jugendstrafrecht verhandelt - die Höchststrafe beträgt zehn Jahre, bei besonderer Schwere der Schuld sogar 15 Jahre. Für viele ist das Urteil des Gerichts nicht nachvollziehbar. Warum blieben die Richter bei Abdul D. unter der höchstmöglichen Strafe?

Verhandlung wurde nach Jugendstrafrecht geführt

Für viele klingt diese Strafe unglaublich: achteinhalb Jahre für den Mord an einer 15-Jährigen. Diese Haftstrafe muss der mutmaßlich aus Afghanistan geflohene Abdul D. nun antreten. Für Mord gibt es in Deutschland normalerweise eine lebenslange Haftstrafe. Anders ist es im Jugendstrafrecht: Hier beträgt die Höchststrafe zehn Jahre. Der Fall um Mia aus Kandel wurde nach Jugendstrafrecht verhandelt, da der Verurteilte zischen 17,5 und 20 Jahren alt ist - zu jung für das Erwachsenenstrafrecht. Der Prozess wurde darum auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.

Das ist auch der Grund, warum die Beweggründe des Gerichts für die vergleichsweise milde Strafe im Dunkeln bleiben werden. Weder der Anwalt von Abdul D. noch das Gericht selbst machten weitere Angaben zur Urteilsbegründung. Maximilian Endler, der Strafverteidiger des Angeklagten, sagte im Interview lediglich, dass er das Urteil für "angemessen" halte. Außerdem werde Abdul D. nach der Hälfte der Verbüßung seiner Strafe vermutlich in sein Heimatland Afghanistan abgeschoben.

Bevölkerung kann Urteil nur schwer nachvollziehen

Strafverteidiger von Abdul D. Maximilian Endler im Interview
Strafverteidiger von Abdul D. Maximilian Endler im Interview.
© RTL

Für die Bevölkerung bleibt das Urteil weiterhin in großen Teilen unverständlich. In den sozialen Medien fordern viele eine lebenslange Haftstrafe, die Veruteilung nach Jugendstrafrecht können viele nicht nachvollziehen. Ist Abdul D. wirklich noch unter 21? Es ist davon auszugehen, dass das Gericht sein Bestmögliches getan hat, um den Fall aufzuklären.

Auch Strafverteidiger Endler sagte, alle Beteiligten hätten sich bemüht, in der Verhandlung "Licht ins Dunkel" der erschütternden Tat zu bringen. "Sofern ein Strafprozess dies leisten kann, ist dies insgesamt geschehen." Ob von dem Urteil Signalwirkung ausgehe, wolle er nicht beurteilen. "Das Ganze bleibt tragisch."