Erschreckender Bericht

Ureinwohnerinnen werden Opfer von Gewalt: 1.200 kanadische Frauen tot oder vermisst

Ureinwohnerin in Kanada
In Kanada werden Ureinwohnerinnen häufig Opfer von Gewalt und Mord. (Foto: Motivbild)
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Behörden sprechen von "Völkermord"

Zwischen 1980 und 2012 sind in Kanada mindestens 1.200 Ureinwohnerinnen verschwunden oder getötet worden. Das geht aus einem Bericht der Regierung in Ottawa hervor. Die Dunkelziffer könnte noch sehr viel höher sein, denn viele Verbrechen an indigenen Frauen und Mädchen wurden vermutlich gar nicht erst angezeigt. Die Behörden hätten die Fälle jahrelang systematisch ignoriert und sich damit an einem „Völkermord“ beteiligt, meint die Untersuchungskommission.

Was ist mit all den Frauen passiert?

Nur vier Prozent der Frauen in Kanada sind Ureinwohnerinnen. Wenn man sich aber die Verbrechensstatistik anschaut, ist ausgerechnet diese Minderheit auffällig überrepräsentiert. Zum Beispiel ist jede vierte Frau, die Opfer von häuslicher Gewalt wird, indigen.

Weil sich bisher niemand sonderlich für die Ureinwohnerinnen interessiert hat, konnten viele ungestraft ihre Wut an ihnen auslassen. Die Frauen und Mädchen leben in „fast permanenter Bedrohung für ihre physische emotionale, ökonomische und kulturelle Sicherheit“, schreiben die Autoren des Untersuchungsberichtes.

Untersuchungskommission gibt den Behörden die Schuld

Nicht nur die Raten von Morden und Vergewaltigungen an kanadischen Ureinwohnerinnen sind ungewöhnlich hoch. Viele bringen sich auch selbst um, weil sie keinen anderen Ausweg aus ihrer Situation sehen. Es seien viele gesellschaftliche Umstände, die dazu führen, dass so viele Frauen „ihre Würde, ihre Menschlichkeit und in zu vielen Fällen auch ihr Leben verloren haben“, sagte die Chefin der Untersuchungskommission, Marion Buller.

Das Problem ist, dass viele Opfer Vergewaltigungen und häusliche Gewalt als etwas Alltägliches ansehen. Darum suchen sie sich keine Hilfe. Oft haben die Frauen auch kein Vertrauen in die lokalen Behörden, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass Taten ohnehin nicht konsequent verfolgt werden. Auch darum gehen viele nicht zur Polizei.

Die Untersuchungskommission befragte im Auftrag von Premierminister Justin Trudeau über 2.300 Zeugen und trug drei Jahre lang alle Fakten zusammen. Herausgekommen ist ein 1.200 Seiten langer Bericht. Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass die kanadischen Behörden mit Schuld an den Zuständen sind. 231 Änderungsvorschläge sollen die Situation der Ureinwohnerinnen in Kanada jetzt verbessern.