Junge Prostituierte wurde von Frauenmörder auf Freigang umgebracht

Beerdigung für ermordete Marylène (†22) in Kanada

13. Februar 2020 - 15:54 Uhr

Ex-Freund: "Marylène könnte noch leben"

Am vergangenen Wochenende nahmen Familie und Freunde Abschied von der Kanadierin Marylène Lévesque. Sie trauern um die hübsche 22-Jährige, die brutal von einem verurteilten Frauenmörder in einem Hotelzimmer erstochen wurde. Jetzt spricht ihr Ex-Freund mit unserer Reporterin Daniela Hoffmann. Mehr dazu in unserem Video.

Er erfuhr per SMS von dem Mord

Beerdigung von Marylène Lévesque
Am vergangenen Wochenende nahmen Familie und Freunde Abschied von Marylène Lévesque

Louis Mathieu Tremblant erinnert sich an den Moment, als er erfuhr das Marylène Lévesque tot ist: "Ich bin morgens aufgewacht und erhielt eine SMS von einer Bekannten. Sie sagte 'Du wirst gleich ausflippen' und ich sagte 'Warum?'- 'Deine Freundin Marylene ist ermordet worden'".

Für Louis Mathieu bricht in diesem Moment eine Welt zusammen. Er kennt Marylène seit ihrem 16. Lebensjahr; in der High-School war sie seine erste Freundin. Sie verloren sich nie aus den Augen und hatten eine gemeinsamen Freundeskreis: "Sie hatte so viel Energie! Wenn Du in einen Raum gegangen bist und sie war da, dann hat man sie sofort bemerkt. Nicht nur weil sie attraktiv war, sondern weil sie eine ganz besondere Ausstrahlung hatte."

Freunde wissen von Marylènes Doppelleben

Kanada
Trauer um eine fröhliche, lebenslustige Frau

Marylène lebt mit ihrem Partner in dem ländlichen Ort Saguenay; hat einen kleinen Hund den sie über alles liebt. Auf Facebook postet sie regelmäßig Fotos und Videos von sich. Es scheint, als führe die 22-Jährige das perfekte Leben. Doch ihre Freunde wissen, dass sie ein Doppelleben führt. Alle zwei Wochen steigt Marylène in den Bus und fährt in das 250 km entfernte Quebec City.

Dort arbeitet sie für jeweils drei Tage als Sex-Arbeiterin in einem erotischen Massagesalon: "Wenn man Marylène kannte, hat sie offen darüber gesprochen. Sie war nicht stolz darauf, aber sie hat sich auch nicht dafür geschämt. Für sie war es wichtig weil sie finanziell abgesichert sein wollte; sie wollte ihre Rechnungen bezahlen können. Ihr Boyfriend war ok damit, denn sie hat diesen Job ja nicht hier sondern in Quebec City gemacht"

Im Massagesalon lernt sie ihren Mörder kennen

Gründlicher hätte die kanadische Justiz nicht daneben liegen können: Im vergangenen Jahr wurde der verurteilte Frauenmörder Eustachio Gallese als "niedrig bis mäßig" gefährlich eingestuft. 2004 hatte er seine damalige Ehefrau verprügelt, mit einem Hammer geschlagen und schließlich mit zwei Messerstichen getötet.

2006 wurde er wegen Mordes zu 15 Jahre Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Nicht nur das: Das Gericht sah in ihm einen wahrscheinlichen Wiederholungstäter. Im Januar treffen die Behörden dann eine fatale Entscheidung - Gallese bekommt Freigang, darf sich tagsüber frei bewegen. Ihm wird ausdrücklich erlaubt, während des Freigangs seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen - unter einer Bedingung: er solle keine romantischen Beziehung eingehen.

Mit 1.300 Dollar lockt er sie in ein Hotel

Freund
Marylènes Ex-Freund Louis Mathieu Tremblant

Stattdessen besucht der 51-Jährige den erotischen Massagesalon, in dem Marylène arbeitet. Er verspricht der dem hübschen Callgirl 1.300 Dollar und verabredet sich mit ihr in einem Hotel. Ihr erstes Treffen verläuft problemlos. Gallese erzählt Marylène sogar, dass er seine Frau vermisse; nach 15 Jahren immer noch um sie trauere. Dass er derjenige ist, der für ihren Tod verantwortlich ist, verschweigt er.

Louis Mathieu ist sich sicher, dass sie ihren Freier nicht getroffen hätte, wenn bekannt gewesen wäre das er ein verurteilter Frauenmörder ist: "Sie hat mir eigentlich immer gesagt, dass sie normalerweise niemanden im Hotel trifft, denn es war für sie im Bordell sicherer. Denn dort waren immer andere Leute in der Nähe und es gab einen Sicherheitsdienst."

Sie gibt sich als Hair-Stylistin aus

Doch diesmal wirft Marylène sämtliche Vorsicht über Bord. Ihr Kunde scheint wohlhabend zu sein, verspricht ihr 2.000 Dollar für ein zweites Treffen. Deshalb verabredet sie sich mit ihrem Freier für den 22. Januar in einem schicken Hotel in Quebec City. Kurz nach 17 Uhr werden die beiden dort im Hotelrestaurant gesehen. Prostitution ist in Kanada illegal, deshalb erzählt Marylène dem Personal, dass sie eine Haar-Stylistin sei und einen Kunden treffe. Doch dem Barkeeper fällt auf, dass die Atmosphäre zwischen den Beiden angespannt ist. Marylène habe dann die Rechnung bezahlt. Es ist das letzte Mal, dass sie lebend gesehen wird.

Gegen 23 Uhr geht Gallese in eine Polizeistation in Quebec City und gesteht, dass er eine Frau ermordet habe. Die Beamten rasen zum Hotel. Sie finden Marylène blutüberströmt im Bett, aber jede Hilfe kommt zu spät.

Gallese ermordet sie genauso wie damals seine Frau

Killer
Frauenmörder Eustachio Gallese

Louis Mathieu erinnert sich: "Als ich hörte, was ihr passiert ist, wollte ich zuerst den Kopf in den Sand stecken und so tun, als ob sie einen schnellen, gnädigen Tod hatte. Aber mittlerweile weiß ich, dass er sie auf die gleiche Weise wie seine Frau umgebracht hat. Er hat sie mit einem Hammer erschlagen, ist dann in die Küche gegangen und hat sie erstochen. Als der Griff vom ersten Messer abbrach, hat er sich ein zweites Messer geholt und wieder zugestochen. Er muss diese Tat geplant haben. Für mich ist das Vorsatz zum Mord, denn wer nimmt schon Messer mit ins Hotel?"

Und genau das versucht die Kriminalpolizei dem Täter nun nachzuweisen. Bevor sich Marylènes Killer der Polizei stellte, verbrachte er einige Stunden in einer Bar. Dann verliert sich seine Spur. Bei seiner Festnahme kann die Polizei weder die Tatwaffe noch sein und das Handy des Opfers finden. Landesweit wird nun daher nach diesem Beweismaterial gefahndet, sogar mobile Polizeistationen werden eingesetzt. Denn Eustachio Gallese soll nie mehr frei kommen.