Kampfansage an Andrea Nahles: Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange kandidiert für SPD-Parteivorsitz

13. Februar 2018 - 7:40 Uhr

Simone Lange fordert Andrea Nahles heraus

Jetzt kommt Schwung in die Sache: Eigentlich wollte die SPD den Wechsel an der Parteispitze am Dienstag fest machen. Schulz geht, Nahles kommt – zumindest vorläufig. Doch so einfach möchte es Flensburgs Oberbürgermeisterin ihren Parteikollegen nicht machen: Sie kandidiert kurzerhand auch als SPD-Parteichefin.

"Ich möchte den Mitgliedern eine Stimme geben"

Wird Andrea Nahles den SPD-Parteivorsitz schon früher übernehmen als gedacht? Darüber wollen sich Präsidium und Vorstand der SPD am Dienstagnachmittag beraten. Erwartet wird, dass der bisherige SPD-Chef Martin Schulz dort seinen sofortigen Rückzug verkünden wird. Die Spitzengremien könnten dann beschließen, Nahles als kommissarische Parteichefin zu ernennen. Damit wäre sie die erste Frau an der Spitze der SPD.

Doch da ist noch eine andere Frau, die sich um den Parteivorsitz bewirbt: Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange hat am Montagabend in einem Brief angekündigt, ebenfalls zu kandidieren. In ihrem Schreiben an den Bundesvorstand der Sozialdemokraten heißt es: "Ich werbe für eine Basiskandidatur und möchte den Mitgliedern wieder eine Stimme geben und sie an diesem Entscheidungsprozess ernsthaft beteiligen."

Lange schrieb weiter, sie wolle den Mitgliedern wieder das Gefühl geben, "dass sie es sind, die die Stimmung und die Richtung der Partei bestimmen". Das wäre auch ein erster Schritt, "die SPD wieder zu dem zu machen, was sie einst war: eine stolze Partei der sozialen Gerechtigkeit".

Auch Berliner SPD leistet Widerstand

Mit ihrem Widerstand ist die 41-Jährige nicht die Einzige. Auch andere Parteikollegen lehnen die schnelle Übernahme der SPD-Spitze durch Andrea Nahles ab. In der 'Berliner Morgenpost' erklärte die Berliner SPD, dass ein solcher Wechsel Tatsachen vor einem möglichen Parteitag schaffen würde. Es gehe bei der Kritik nicht darum, Nahles als Bundeschefin zu verhindern, es gebe auch keine grundsätzliche Kritik an ihrer Person. Man beanstande lediglich das Verfahren.

Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller schlägt vor, dass einer der sechs Schulz-Stellvertreter kommissarisch den Vorsitz übernehmen solle. Das würde den üblichen Vertretungsregeln entsprechen. Andrea Nahles gehört nicht zu Schulz Stellvertretern.

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"Das Gefühl der Ohnmacht"

Könnte Simone Langes Kandidatur Nahles Aufstieg zur kommissarischen Parteichefin zunichte machen? Zumindest spricht die Flensburger Oberbürgermeisterin und Mutter von zwei Kindern mit ihrem Brief vielen Parteimitgliedern der SPD aus der Seele, wenn sie schreibt, sie könne angesichts der Neubesetzung des Bundesvorsitzes "das Gefühl der Ohnmacht vieler Mitglieder gegenüber denen, die in Berlin Entscheidungen treffen, ohne die Basis einzubeziehen, sehr gut nachvollziehen". Das Amt des Bundesvorsitzenden sei von weitreichender Bedeutung für die gesamte Partei und das gesamte Land und dürfe nicht von einer kleinen Gruppe intern festgelegt werden. Eine Einzelkandidatur, die von Funktionsträgern beschlossen und ohne große Diskussion durchgewunken werde, könne kein Zeichen für einen Aufschwung oder einen Neuanfang sein.

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