Kampf um Aleppo: "Schlimmste humanitäre Katastrophe seit dem zweiten Weltkrieg"

28. September 2016 - 15:49 Uhr

Ban Ki-Moon ist "erschüttert über die schreckenerregende militärische Eskalation"

Nach dem Bombenhagel herrscht erst mal wieder Ruhe in Aleppo. Nach der scharfen internationalen Kritik haben die Syrischen Regierungstruppen und ihre Verbündeten die Luftangriffe auf die umkämpfte Stadt Aleppo vorerst eingestellt. Es ist die letzte verbleibende Großstadt, die teilweise noch von den Rebellen kontrolliert wird. Das syrische Regime will die Stadt vollständig unter seine Kontrolle bringen.

Die Lage der rund 250.000 Menschen, die im belagerten Ostteil der Stadt ausharren, ist prekär. Sie sind von jeglicher Versorgung mit Hilfsgütern abgeschnitten. Laut Unicef haben Hunderttausende in der gesamten Stadt kein fließendes Wasser mehr, seit ein Pumpwerk angegriffen wurde. Insgesamt sollen zwei Millionen Menschen von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten sein.

Großbritannien, die USA und Frankreich beantragten noch in der Nacht ein Dringlichkeitstreffen des UN-Sicherheitsrats. Die 15 Mitglieder des höchsten UN-Entscheidungsgremiums wollen in New York zusammenkommen und über die schreckliche Lage in Aleppo beraten. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon sagte er sei "erschüttert über die schreckenerregende militärische Eskalation". Aleppo sei der "anhaltendsten und schwersten Bombardierung" seit Beginn der Syrienkrise 2011 ausgesetzt.

Für Assad läuft alles "nach Plan"

Die zwischen Russland und den USA vereinbarte Waffenruhe hatte nicht einmal eine Woche lang gehalten. Seitdem wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Aleppo allein mehr als 180 Menschen getötet, darunter auch 26 Kinder. Nach dem Scheitern der Waffenruhe hatte die syrische Armee die Angriffe auf die Rebellen mit Brandbomben und Raketen, die selbst Bunker sprengen könnten, weiter verschärft. Laut Anwohnern der belagerten Stadt sind die Bombardements der vergangenen Tage die schlimmsten, die sie seit Ausbruch des Krieges erlebt haben. UN-Sondervermittler für Syrien, Staffan de Mistura, bezeichnet die aktuelle Lage in Aleppo als schlimmste humanitäre Katastrophe seit dem zweiten Weltkrieg.

Zurzeit rücken außerdem noch syrische Bodentruppen auf Aleppo vor. Machthaber Assad hat eine Offensive angekündigt, um die Stadt vollständig zurückzuerobern. Erste Geländegewinne hat die Armee bereits erzielt. Bilder der syrischen Armee sollen das belegen. Überprüfen lassen sich solche Angaben nur schwer. Während in den wenigen noch stehenden Krankenhäusern Aleppos die Schwerverletzten kaum noch behandelt werden können, lässt Assad verlauten: Für seine Truppen laufe alles nach Plan.

Die westlichen Außenminister forderten Russland auf, Einfluss auf den syrischen Machthaber Baschar al-Assad auszuüben, dass die Angriffe gestoppt würden. Es liege an Moskau, die diplomatischen Gespräche fortzuführen und ein Ende des Konflikts zu ermöglichen. "Die Geduld mit Russlands andauernder Unfähigkeit oder Unwilligkeit, sich an seine Verpflichtungen zu halten, ist nicht unbegrenzt", teilten die Außenminister der USA, Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und des Vertreters der EU in einer Erklärung mit.