RTL News>News>

Kampf gegen PKK und IS: Der Zwei-Fronten-Krieg der Türkei

Kampf gegen PKK und IS: Der Zwei-Fronten-Krieg der Türkei

Erdogan beendet Friedensprozess mit Kurden

Die Lage in der Türkei ist alles andere als entspannt. Das Land greift aktiv in die schon lange schwelenden Krisenherde an ihrer südlichen Grenze ein. Das Land hat eine geopolitisch wichtige und brisante Lage, im Norden grenzt es zwar an die Europäische Union (Griechenland und Bulgarien), im Süden allerdings liegen zwei der unruhigsten Länder überhaupt: Syrien und der Irak.

Kampf gegen PKK und IS: Der Zwei-Fronten-Krieg der Türkei
Türkische Luftwaffe im Kampf mit IS und PKK
dpa, Stringer

Zum einen ist das das Einflussgebiet des Islamischen Staates (IS), man denke nur an die Kämpfe in und um Kobane zwischen Kurden und IS. Der Nordirak hingegen ist Rückzugsgebiet der Kurden, die sich neben dem Kampf gegen den IS auch in einem Konflikt mit der Türkei befindet, der eigentlich schon seit der Staatsgründung durch Atatürk andauert. Die Türkei bekämpft also an zwei Fronten, die sich zusätzlich untereinander bekämpfen. Die Türkei sieht sich dabei von den Kurden so sehr bedroht, dass der türkische Staatspräsident Recep Tayyip den Friedensprozess mit den Kurden für beendet erklärt hat. "Es ist nicht möglich einen Lösungsprozess fortzuführen mit denjenigen, die die Einheit und Integrität der Türkei untergraben", sagte er.

Warum wartet das Land nicht ab, frei nach dem Motto 'wenn zwei sich streiten freut sich der Dritte'? Weil von beiden Seiten Gefahr droht. Die Türkei muss ihre Sicherheit im Auge behalten. Es ist für kein noch so stabiles Land förderlich, wenn in gleich zwei angrenzenden Staaten Bürgerkrieg herrscht. Erst recht nicht, wenn das Einflussgebiet mindestens einer der beteiligten Parteien tief in die Türkei hineinreicht.

Die PKK ist immer noch eine Terrororganisation

Vor etwas mehr als einer Woche gab es in Suruc, nahe der Grenze zu Syrien, einen Anschlag auf Mitglieder einer kurdischen Hilfsorganisation, für den die Türkei den IS verantwortlich macht. Als Antwort darauf brachte die kurdische Arbeiterpartei PKK, die bei ihrer Gründung 1978 den bewaffneten Kampf für einen Kurdenstaat befürwortete und auch in Deutschland und vielen anderen Ländern als Terrororganisation eingestuft wird, in Ceylarpinar zwei türkische Polizisten um. Die PKK behauptete, die Beamten arbeiteten mit dem IS zusammen. Generell wirft die PKK der türkischen Regierung vor, zu wenig gegen den IS zu tun, da die Türkei hoffe, die Kurden würden sich im Kampf gegen den Islamischen Staat aufreiben.

Wegen der PKK-Attentate fühlt sich die Türkei gezwungen gegen die PKK militärisch vorzugehen. Aufgrund ihrer Nato-Zugehörigkeit sieht sich die Türkei verpflichtet gegen den IS vorzugehen. Diese Kombination ist das Dilemma der Türkei. Die PKK ist ein ausschließlich türkisches, innenpolitisches Problem, der IS ist ein Problem des gesamten Westens und der Nato. Dem Westen fällt es dabei wesentlich leichter, das PKK-Problem auszublenden.

Wenn der CDU-Politiker Elmar Brok sagt, "die Türkei sollte sich endlich für eine einheitliche Strategie entscheiden und nicht gleichzeitig den Islamischen Staat und dessen Gegner bekämpfen", dann ist das aus der Sicht der Nato zwar richtig, ignoriert aber die politische Realität der Türkei, die sich trotz Friedensprozess weiter von der PKK bedroht fühlt.

Gegner des türkischen Präsidenten wiederum äußern den Vorwurf, Erdogan wolle den Konflikt mit den Kurden anheizen, um seine eigene Macht zu stärken. Erdogan erhielt bei den letzten Wahlen eine Schlappe, "und es gibt eine erstarkte kurdische Opposition. Mit dem harten Vorgehen versucht er jetzt die kurdische Opposition in die Terrorecke zu rücken, will so Koalitionsverhandlungen unmöglich machen und strebt perspektivisch Neuwahlen an", berichtet RTL-Reporter Dirk Emmerich aus der Türkei.