Kampf gegen multiresistente Erreger: Forscher entdecken neuen Wirkstoff Teixobactin

15. Februar 2015 - 18:29 Uhr

Unbekannter Wirkstoff könnte das Problem vieler Resistenzen lösen

Sie lauern auf der Haut oder in der Nase und wenn sie einmal ins Innere unseres Körpers gelangen, wird es gefährlich: Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind. Durch sie kann schon eine harmlose Wunde im schlimmsten Fall tödlich enden. Weil die Zahl der Resistenzen steigt und damit das Risiko, dass die Medikamente nicht mehr wirken, suchen Forscher schon lange fieberhaft nach einem neuen Wirkstoff. Wissenschaftlern scheint nun ein Durchbruch gelungen zu sein.

Dr. Tanja Schneider vom deutschen Infektionszentrum in Bonn.
Dr. Tanja Schneider und ihrem Team vom deutschen Infektionszentrum in Bonn scheint ein Durchbruch in der Resistenzforschung gelungen zu sein.

Das Forscherteam aus Bonn und den USA staunte nicht schlecht, als sie ausgerechnet bei Bodenbakterien fündig wurden: Teixobactin heißt der neue und bisher unbekannte Wirkstoff, der das Problem vieler Resistenzen lösen könnte. Denn er tötet nicht nur sämtliche multiresistenten Keime ab: Die Bakterien entwickeln umgekehrt auch keine Resistenz gegen das neue Antibiotikum - es bleibt also lange wirksam. Für die Forscher eine Art Hauptgewinn.

"Das ist ein bedrohliches Szenario"

Ein neues Antibiotikum wäre ein erster Schritt, um multiresistente Erreger besser in Schach zu halten. Diese stellen die wohl größte Gesundheitsgefahr unserer Zeit dar. "Das bedeutet, dass kleinere Verletzungen tödlich ausgehen und ganz gewöhnliche Infektionen nicht mehr therapierbar sind", erklärt Dr. Tanja Schneider vom deutschen Infektionszentrum in Bonn. "Das ist ein bedrohliches Szenario." Auch, weil dann komplexe medizinische Eingriffe so nicht mehr möglich seien.

Wichtig sind neben einem neuen Wirkstoff aber auch viele andere Maßnahmen - auch die Hygiene in den Krankenhäusern. Hier können sich die Erreger leicht verbreiten und geschwächte Patienten infizieren. Zudem geht ein Appell auch an jene Ärzte, bei denen der Rezeptblock zu locker sitzt. Denn nicht bei jeder Erkältung ist ein Antibiotikum nötig. Bei Infekten mit Viren beispielsweise können diese Medikamente gar nichts ausrichten. Ärzte und Patienten sollten ein Antibiotikum deshalb nur mit sehr viel Vorsicht einsetzen, um keine neuen Resistenzen heranzuzüchten. "Es ist sicherlich so, dass Antibiotika viel zu oft angewendet und verschrieben werden, wenn sie gar nicht gar nicht notwendig wären", so Dr. Schneider. Bei viralen Infekten gehe man davon aus, dass 50 Prozent der Verschreibungen überflüssig sind.

Noch gibt es Teixobactin nur im Labor. Tests an Menschen sollen folgen. Bis es als Medikament auf den Markt kommen könnte, wird es noch sechs bis acht Jahre dauern. Immerhin - der Anfang für ein Supermedikament ist gemacht.