Frauenärztin klärt auf

Warum die HPV-Impfung auch im späteren Alter so wichtig ist

Die HPV-Impfung kann Gebärmutterhalskrebs vorbeugen.
© iStockphoto, Pornpak Khunatorn

09. Oktober 2020 - 11:14 Uhr

Neue Studie bestätigt: 88 Prozent weniger Gebärmutterhalskrebs dank HPV-Impfung

Gute Nachrichten im den Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs! Frauen, die als Jugendliche gegen HPV geimpft wurden, erkranken viel seltener an der tückischen Krankheit – und zwar ganze 88 Prozent weniger. Das ergab eine neue, im "New England Journal of Medicine" veröffentlichte Auswertung der schwedischen Gesundheits- und Bevölkerungsregister. Für die Auswertung wurden die Daten von über 1,6 Millionen Mädchen und Frauen über einen Zeitraum von elf Jahren genutzt. Doch für wen ist die Impfung wirklich sinnvoll? Macht es zum Beispiel Sinn, sich auch noch im späteren Alter impfen zu lassen?

Die meisten Menschen infizieren sich mit HPV

Was vielen von uns nicht bewusst ist: Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) machen sogar die meisten sexuell aktiven Menschen mindestens einmal im Leben eine HPV-Infektion durch – viele davon, ohne es zu bemerken. Denn oft verläuft eine Infektion ohne Symptome und heilt unerkannt nach spätestens zwei Jahren ohne Spätfolgen ab.

Bei etwa zehn Prozent der infizierten Frauen heilt die HPV-Infektion jedoch nicht ab, es können sich Zell-Veränderungen entwickeln, vor allem am Gebärmutterhals. Etwa 56.000 junge Frauen müssen jährlich aufgrund einer HPV-bedingten Krebsvorstufe behandelt werden. Werden die Zell-Veränderungen jedoch nicht behandelt, entwickelt sich bei etwa 30 bis 50 Prozent der Betroffenen innerhalb der nächsten 30 Jahre Gebärmutterhalskrebs. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 4.600 Frauen daran, bei rund 1.500 Patientinnen verläuft die Erkrankung tödlich.

HPV-Impfung vor dem ersten Sex am wirksamsten

Bisher sind etwa 200 verschiedene HPV-Typen entdeckt worden - 12 davon stuft die WHO als karzinogen ein, viele weitere können Symptome wie Genitalwarzen auslösen. Die Impfung kann, je nach Impfstoff, vor bis zu 9 der 12 Hochrisiko-Typen schützen. Da eine HPV-Infektion am Gebärmutterhals einer Frau hauptsächlich über Geschlechtsverkehr übertragen wird, sollte die erste der insgesamt drei Impfungen noch vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts eine Impfung gegen HPV für alle Mädchen oder Jungs im Alter von neun bis 14 Jahren. Auch die WHO empfiehlt die Impfung bereits im Alter ab 9 Jahren.

Versäumte Impfungen sollten gemäß der Empfehlung der STIKO bis zum 18. Lebensjahr nachgeholt werden. Entsprechend werden auch die Impfkosten bis zum 18. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Warum die Impfung für beide Geschlechter sinnvoll ist

"Es sollten sich Jungs und Mädchen impfen lassen - am Sex sind ja auch beide beteiligt", sagt die Frauenärztin Dörte Meisel aus Wettin, die selbst regelmäßig HPV-Impfungen an Schulen durchführt. Denn auch Männer tragen das Virus oft unerkannt in sich. "Je mehr geimpft sind, umso besser sind die, die nicht geimpft sind, geschützt", erklärt die Gynäkologin. Zudem besteht für Männer das Risiko, durch HPV an Peniskrebs zu erkranken.

Video: Sich selbst und gleichzeitig andere schützen! HPV-Impfung ist auch für Jungs sinnvoll

Kann man sich auch mit 20, 30 oder später noch impfen lassen?

Frauenärztin Dörte Meisel rät ganz klar auch Frauen, die älter als 18 sind, zur HPV-Impfung – selbst wenn sie bereits sexuell aktiv sind. Bei Frauen, die schon Sex hatten, müsse man zwar damit rechnen, dass sie schon HP-Viren haben, die Kombination aus Impfung und Früherkennungsuntersuchung könne jedoch auch bei ihnen eine große Anzahl an Krebserkrankungen verhindert, so die Expertin.

Auf HP-Viren getestet wird man vor einer Impfung im späteren Alter trotzdem nicht. Das sei einfach zu aufwendig, sagt Dörte Meisel. "Wir schützen inzwischen gegen neun Viren - zwei Warzenviren und sieben Krebsviren. Das wäre einfach mit dem Schinken nach der Wurst geworfen, denn: Sie haben nicht alle neun Viren. Und bei jedem Virus ist es gut, wenn Sie es nicht bekommen."

Wie viel kostet die Impfung im späteren Alter?

Wer sich nach dem 18. Lebensjahr noch gegen HPV impfen lassen möchte, muss die Kosten selbst tragen. Und die sind leider nicht gerade gering. Die Kosten liegen bei etwa 150 Euro pro Impfung, hinzu kommt die ärztliche Leistung. Für alle drei nötigen Impfungen kommt man dann insgesamt auf etwa 500 Euro. Man könne jedoch einen Antrag bei der Krankenkasse stellen, ob diese den Impfstoff nicht doch übernimmt, erklärt Frauenärztin Dörte Meisel.

HPV-Impfung bietet keinen Rundum-Schutz

Auch wenn Sie bereits geimpft sind oder sich noch impfen lassen möchten, sollten Sie beachten: Eine HPV-Impfung kann die Krebsfrüherkennungsuntersuchung nicht ersetzen. "Nicht im Impfstoff enthaltene HPV-Typen, unvollständig geimpfte Personen und seltene Impfversager erfordern auch bei Erreichen einer hohen Durchimpfung in der Zielgruppe die Fortführung der Früherkennungsuntersuchungen", so die STIKO.