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Kampf gegen die Flut an der Elbe: Zwischen Hoffen & Verzweifeln

Kampf gegen die Flut an der Elbe: Zwischen Hoffen & Verzweifeln

Gauck: "Wir werden es wieder schaffen"

Die Flut rauscht durch die Straßen, Dämme brechen, Wasser dringt in Häuser und Keller ein, die Liste der Evakuierungen kennt offenbar kein Ende. Helfer und Flutwasseropfer sind längst am Ende ihrer Kräfte: Doch das Hochwasser der Elbe steigt auf immer neue Rekordwerte.

Jahrhunderflut: Tausende Helfer im Einsatz.
Tausende Helfer sind weiter im Dauereinsatz im Kampf gegen das Jahrhundert-Hochwasser.
dpa, Jens Büttner

Aufgrund der steigenden Pegel drückt die Elb-Flutwelle weiter bedrohlich auf die Deiche. In Magdeburg mussten sich 23.000 Menschen vor den herannahenden Wassermassen in Sicherheit bringen. Auch die Stromversorgung in der Stadt war bedroht, weil das Hochwasser auf ein Umspannwerk zufloss. Trotz erstmals leicht sinkender Pegelstände bleibt die Lage vor allem in Sachsen-Anhalt, Sachsen und gen Norden dramatisch. Auch in Hitzacker und Lauenburg mussten die Bewohner der Altstadt ihre Häuser verlassen, für Bleckede und Amt Neuhaus wurde eine Evakuierung nicht mehr ausgeschlossen.

Bundespräsident Joachim Gauck sprach den Hochwasser-Opfern sein Mitgefühl aus. Er besuchte am Sonntag Hochwassergebiete an der Saale und Elbe. "Man kann sich nicht vorstellen, was da alles zu bewältigen ist", sagte er. In der Marktkirche in Halle gedachte er gemeinsam mit Hunderten Menschen der Opfer der Flutkatastrophe, die ihr Leben und ihr Hab und Gut verloren haben. Zugleich machte er den Menschen Mut: "Dass wir es wieder packen, das haben wir auch bei der Flut 2002 bewiesen."

Wo das Wasser in Süd- und Ostdeutschland schon wieder abfloss, blieben stinkender Schlamm und Sperrmüllberge zurück. Viele Anwohner zeigten sich fassungslos. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach, man werde alles für den Wiederaufbau tun. "Deutschland steht in bewundernswerter Weise zusammen in diesen Tagen - und das soll auch so bleiben." SPD-Chef Sigmar Gabriel rechnet mit Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe.

"Ich kam mir vor wie im Amazonasbecken"

Landespolitiker sorgen sich bereits um die Kosten des Wiederaufbaus. "So viel Wasser hatten wir noch nie in Sachsen-Anhalt, der Norden des Landes steht unter Wasser. Ich kam mir teilweise vor wie im Amazonasbecken", sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) der Zeitung 'Die Welt'. Andere Politiker forderten bereits,H ochwasserschutzbauten schneller zu genehmigen und Veto-Möglichkeiten zu begrenzen.

Bundesweit stemmen sich weiterhin rund 70.000 Feuerwehrleute und 11.000 Bundeswehrsoldaten gegen die Flut. Das Technische Hilfswerk (THW) verdoppelte allein in Magdeburg seine Einsatzkräfte auf 2.200. Insgesamt sind in Deutschland 6.000 THW-Helfer im Einsatz. Der Deutsche Feuerwehrverbands-Präsident Hans-Peter Kröger drohte Katastrophentouristen damit, auch sie zur Mithilfe zu verpflichten.

Mindestens sieben Menschen sind bisher durch das Hochwasser umgekommen, mehrere werden noch vermisst. Zehntausende Flutopfer wissen nicht, wann sie zurück in ihre Häuser dürfen. Sie sind in Notquartieren, bei Verwandten oder Freunden untergekommen.

Die gewaltige Flutwelle rollt nun auf Brandenburg und Norddeutschland zu. An einigen Orten begannen Helfer damit, die Deiche noch schnell mit Sandsäcken um 30 Zentimeter zu erhöhen. Doch Prognosen über die Wasserstände bleiben schwierig, zudem gibt es für zahlreiche Regionen neue Unwetterwarnungen.