Das können Sie gegen sein Gift tun

Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner und was ihn so gefährlich macht

Der Eichenprozessionsspinner ist auch ohne Anfassen gefährlich.
© dpa, Patrick Pleul

16. Mai 2020 - 14:27 Uhr

Eichenprozessionsspinner ist auch ohne Anfassen gefährlich

Bei Spaziergängen in der Natur werden Eichenprozessionsspinner im Frühling und Frühsommer eine echte Gefahr für die Gesundheit. Die Brennhaare der Raupen brechen leicht ab, fallen auf Spaziergänger und Radler herab und können allergische Reaktionen auslösen. Wir erklären, worauf Sie achten müssen und was im Notfall hilft und welche Maßnahmen getroffen werden, um die Population der Raupe einzudämmen.

Bekämpfung aus der Luft

Der Klimawandel hat die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners (EPS) unterstützt. Durch die ungebremste Vermehrung des Insekts sind nun auch Menschen gefährdet. Zu milde Winter ohne Frost, kaum Niederschlag und die Sonne scheint meist früh, dass die Knospen der Blätter früher rauskommen. Das alles spielt dem EPS in die Hände.

Der Landkreis Stendal bekämpft den EPS nun schon seit mehreren Jahren. Der stellvertretende Landrat des Kreises Stendal in Sachsen-Anhalt, Sebastian Stoll, erklärt: "Seit vielen Jahren kämpft der Landkreis Stendal gegen den Eichenprozessionsspinner. In den letzten Jahren hat sich die Methode verbessert. An vier Flugtagen fliegen wir mit einem Hubschrauber über ausgewiesene Flächen, um den Eichenprozessionsspinner aus der Luft zu bekämpfen beziehungsweise ein Mittel gegen ihn auszubringen."

Das Mittel, was dazu benutzt wird, ist ein Biozid, dass sich auf die Blätter der Bäume legt, die von den Eichenprozessionsspinnern gefressen werden. Dadurch werden die Insekten getötet. Vor allem in siedlungsnahen Gebieten wird das Mittel versprüht, um die Bevölkerung zu schützen. Die Gesundheit der Menschen steht da auch im Vordergrund, denn für den für den Wald ist der Eichenprozessionsspinner uninteressant. Ein paar Tage lang wird das Waldgebiet dann anschließend für Besucher gesperrt.

Warum sind Eichenprozessionsspinner gefährlich?

Das gefährliche am Eichenprozessionsspinner (EPS) sind seine Brennhaare – diese sind von innen hohl und enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Die Härchen der Raupe brechen schnell ab, werden über die Luft transportiert und möglicherweise eingeatmet. Sie sind an der Außenseite mit Widerhaken versehen, mit denen sie sich an der Haut oder in den Schleimhäuten festsetzen können.

Die dadurch entstehenden allergischen Reaktionen können sich als Ausschläge, leichte Schwellungen, starker Juckreiz und Brennen äußern. Aber auch stärkere Reaktionen sind bei manchen Menschen möglich, etwa die Bildung von Quaddeln. Werden die Haare eingeatmet, kann das Bronchitis, schmerzhaften Husten und Asthma verursachen.

Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündungen sind Begleiterscheinungen, in Einzelfällen sind sogar allergische Schockreaktionen möglich. Bei schweren Symptomen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Im Video: So gefährlich sind die Eichenprozessionsspinner

Das hilft bei Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner im Notfall

Bei nur kleineren Reaktionen können Betroffene zum Beispiel Lotionen oder Gels auftragen, die auch bei Juckreiz nach Mückenstichen genutzt werden, erklärt Prof. Florian Eyer, Abteilung für Klinische Toxikologie und dem Giftnotruf München an der Klinikum rechts der Isar in München. Bei stärkeren Beschwerden verschreiben Ärzte zum Beispiel Cortison.

Das können Sie außerdem tun:

  • Vermeiden Sie die befallenden Gebiete und tragen sie lange Kleidung.

  • getragene Kleidung rasch wechseln und anschließend waschen

  • Kleidung getrennt von anderer Wäsche in die Maschine packen

  • Kleiderbürste oder Fusselrolle vor dem Waschen nutzen

Daran erkennen Sie Eichenprozessionsspinner

Eichenprozessionsspinner bilden weiße, nestähnliche Gespinste, die an Baumstämmen hängen. Wie ihr Name verrät, sind sie meist an Eichen zu finden. Laut Nabu weichen sie in manchen Jahren aber auch auf andere Bäume, etwa Buchen, aus.

Die Raupen werden bis zu fünf Zentimeter groß und haben einen vollständig mit Brennhaaren bedeckten Körper. Junge Eichenprozessionsspinner sind braun-gelblich, später verfärben sie sich graublau bis schwarz. Nachts gehen sie auf Futtersuche, bei der sie sich in meterlangen Ketten –den sogenannten Prozessionen – zusammenschließen.

Wer Eichenprozessionsspinner sieht, sollte sie auf keinen Fall berühren. In betroffenen Gebieten ist es außerdem wichtig, vorsorglich lange und möglichst dichte Kleidung zu tragen. Von Ende April bis Anfang Mai bilden die Tiere ihre ersten Brennhaare. Die Hochphase des Eichenprozessionsspinners sind die Wochen von Ende Mai bis Ende Juni, in denen die Raupen die meisten Brennhaare verlieren, die aus den Nestern geweht und in der Luft verteilt werden. Ende Juni verpuppen die Raupen sich und die kritische Zeit ist vorbei.