"Gewalt geht zumindest aktuell zurück"

Kampf gegen Clan-Kriminalität zeigt Wirkung

Polizeibeamte führen einen Mann ab. Foto: Paul Zinken/Archivbild
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12. September 2019 - 22:53 Uhr

Experten glauben: Maßnahmen gegen die Clans helfen

Kriminelle Mitgliederder Großfamilien leben meist abgeschottet in Parallelwelten. Doch der verstärkte Kampf gegen Clan-Kriminalität zeigt Wirkung, meinen Experten. "Das Verhalten gegenüber den Polizeibeamten wird gemäßigter, die Gewalt geht zumindest aktuell zurück", die Kriminologie-Professorin Dorothee Dienstbühl von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW in einem dpa-Interview. "Die Polizei geht bei Einsätzen einfach mit mehr Kräften rein, nutzt zudem Hundertschaften für Kontrollen und Razzien."

Polizei bräuchte mehr Beamte im Kampf gegen die Clans

Auch der Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler ist überzeugt, dass die Strategie der Behörden aufgeht. "Einige Ruhrgebietsstädte zum Beispiel beobachten, dass die Maßnahmen mehr Sicherheit erzeugt haben", sagte er.

Allerdings haben die Polizei und die zuständigen Behörden auch noch eine Menge Arbeit vor sich. BDK-Chef Fiedler sagte: "Ich sehe noch kein auf Dauer angelegtes Erfolgskonzept." Dafür müsste die Zahl der Ermittler aufgestockt werden. Im Brennpunkt Ruhrgebiet zum Beispiel gebe es nur eine zweistellige Zahl von zuständigen Polizisten.

Prostitution, Drogenhandel, Gewalt. Die Welt der Clans ist eine, in die nur wenige Einsicht haben. In der TVNOW-Doku "Clans in Deutschland" zeigen wir exklusive Einblicke in die Welt der kriminellen Großfamilien, die die Unterwelt Berlins beherrschen.

Mehr Razzien gegen die kriminellen Banden

Lange wurde die Kriminalität von Clans meist arabischer oder kurdischer Herkunft von vielen unterschätzt. Die Folgen zeigen sich vor allem im Ruhrgebiet, in Berlin, Bremen und Niedersachsen. Das Landeskriminalamt NRW hatte Mitte Mai das erste Lagebild zur Clan-Kriminalität in dem Bundesland vorgestellt. Demnach sieht die Polizei in NRW 104 Clans mit kriminellen Mitgliedern am Werk. Alleine von 2016 bis 2018 sollen hier rund 6.500 Verdächtige aus der Szene für mehr als 14.000 Straftaten verantwortlich gewesen sein.

Die Intensivierung von Durchsuchungen wie die Razzia mit rund 1.300 Polizisten im Januar im Ruhrgebiet, Beschlagnahmungen von Immobilien wie 2018 in großem Stil in Berlin und Brandenburg sowie Ausweisungen von Clanchefs etwa aus Bremen bezeichnete Fiedler als die richtige Linie. Ausweisungen würden allerdings erschwert, weil viele kriminelle Clan-Mitglieder einen deutschen Pass hätten - oder ihre Ehefrauen. "Das ist rechtlich dann schwierig, Familien auseinanderzureißen", erklärte der Verbandschef.

Sorge bereite dem BDK, dass kriminelle Clans begonnen hätten, auch syrische und irakische Flüchtlinge als sogenannte Ameisen für den Verkauf von Drogen an die Endkunden zu rekrutieren. "Die Besorgnis besteht, dass auch hier kriminelle Gefüge entstehen", sagte Fiedler. Schon rein zahlenmäßig könne das problematisch werden.


Quelle: DPA, RTL.de