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Kampf den Hundehaufen: Mit 'Kot-Karte' gegen Gassibeutel

Kampf den Hundehaufen: Mit 'Kot-Karte' gegen Gassibeutel

Arne Krämer und sein Hundekotbeutel Projekt Poop Bag Map
Ein Haufen voller Haufen: Arne Krämer (Mitte) mit Helfern beim Einsammeln von Hundekotbeuteln
Picasa

Von Johanna Meier

Wie oft haben Sie sich schon über Hundehaufen im Park geärgert? Einmal am Schuh, wird man das Problem so schnell nicht wieder los. Viele Städte reagieren auf dieses Ärgernis mit Hundekotbeuteln aus Plastik. Circa 200 Millionen solcher Tüten stellen sie im Jahr für Hundebesitzer bereit. Dadurch wird die Gefahr in einen Haufen zu treten zwar geringer, das macht das Ganze aber nicht besser. Im Gegenteil: Die meisten Plastikbeutel landen im Gebüsch und nicht wie vorgesehen im Müll. Das stellt eine echte Belastung für die Umwelt dar. Ein Hamburger Student widmet sich nun diesem Problem mit einer bildstarken 'Kot-Karte', der 'Poop Bag Map' .

"Der einzelne Hundehalter hat sicher nicht das gesamte Ausmaß des Problems im Kopf, wenn er mal einen Beutel im Gebüsch verschwinden lässt", sagt der Erfinder der 'Poop Bag Map' Arne Krämer. Mit der interaktiven Karte soll dies gelingen. Sie funktioniert so: Jeder der eine Tüte mit Hundekot entdeckt, kann ein Bild mit den jeweiligen Standortdaten auf die Seite 'Poopmap.de' hochladen. Die GPS-Informationen kann jedes Smartphone automatisch abspeichern.

Somit wird das Foto des Dreckbeutels samt Standort auf der Karte angezeigt. Über 5.000 fiese Kotbeutel-Bilder kamen auf diese Weise bereits zusammen. Die Sammlung dokumentiert das ganze Ausmaß der Verschmutzung an teilweise unmöglichen Stellen. Ein Hundebesitzer hängte seinen Beutel beispielsweise in einen Baum, ein anderer klemmte ihn unter eine Bordsteinkante. Eklig und schockierend zugleich!

Ach du dicker Haufen!

Die meisten Beutel sind aus herkömmlichem Plastik und damit nicht abbaubar. Je nach Kunststoff-Art kann es 100 bis 500 Jahre dauern bis die Tüten komplett zerfallen. "Hundekotbeutel machen zwar nur etwa 4% der Plastiktütenmenge aus, sind jedoch genau in den Bereichen im Einsatz, in denen es besonders weh tut, wenn sie in der Umwelt landen", sagt Krämer. Die Rede ist von Grünanlagen und Gewässern. Die Umweltbelastung ist dort immens.

Mit der interaktiven Karte will der Hamburger Student das Problembewusstsein erhöhen, denn "anders als bei den meisten Müllarten gibt es einen großen mutwilligen Eintrag - ein gefüllter Beutel rutscht vermutlich nicht unbemerkt aus der Hand". Krämer will aber auch Lösungsansätze schaffen. Denn Schuld sind neben dreisten Hundehaltern auch häufig fehlende Mülleimer. Die wenigen, die es in Parks und in Wald-Nähe gibt, sind meistens überfüllt und somit leichte Beute für Krähen und andere Vögel.

In Bereichen der Karte, auf denen besonders viele Markierungen zu sehen sind, will Krämer erreichen, dass verstärkt Mülleimer aufgestellt werden. Erste positive Reaktionen von einigen Städten gibt es bereits. Realistisch gesehen ist es aber wahrscheinlich, dass Hundebesitzer ihre Kot-Tüten auch weiterhin liegen lassen. Deshalb entwickelte Krämer einen biologisch abbaubaren Hundekotbeutel, der zur "Reduzierungen der Auswirkungen, wenn die Beutel in die Umwelt eingetragen werden", beitragen soll.

Aufmerksamkeit hat der Hamburger Student mit seiner Aktion zumindest schon geschaffen. Ein User schmiss auf Krämers Homepage sogar die Idee in den Raum, das Projekt für Menschenkot auszuweiten. Schließlich sehe man vermehrt Leute, die sich im Park erleichtern. Also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Rufe nach einem Menschenkotbeutel laut werden? Öffentliche Toiletten sind in Wald und Park schließlich wie Mülleimer eher ein seltenes Vergnügen.