2018 M09 11 - 12:49 Uhr

Aktion "The Ocean Cleanup" beginnt zwischen Kalifornien und Hawaii

In der Bucht von San Francisco liegt ein riesiger Schwimmkörper für eine einzigartige Säuberungsaktion bereit. Wie Fangarme sollen sich zwei Kunststoffrohre von je 600 Metern Länge um Berge von Plastikmüll legen - zunächst auf dem Pazifik zwischen Kalifornien und Hawaii.

1,8 Billionen Plastikteile auf 1,6 Millionen Quadratkilometern

Im Hafen von Alameda, gegenüber der Skyline von San Francisco, wurde die Konstruktion für das Projekt "The Ocean Cleanup" seit März zusammengebaut und getestet. Nun wird es ernst: Die U-förmige Anlage wird unter der Golden Gate Brücke hindurch knapp 500 Kilometer von der Küste weg aufs offene Meer gezogen werden.

Nach weiteren Tests will das Team um den 24-jährigen Niederländer Boyan Slat den riesigen Müllfänger dann zum Nordpazifikwirbel – dem sogenannten Great Pacific Garbage Patch (dt. Großer Pazifikmüllfleck) – schleppen. Das Gebiet gehört zu den fünf größten Strömungswirbeln weltweit, an denen sich gigantische Mengen Plastikmüll sammeln. Wissenschaftler von "The Ocean Cleanup" und verschiedenen Universitäten sprechen von 1,8 Billionen Plastikteilen – alleine im am stärksten verschmutzten Pazifikgebiet, das sich über eine Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern erstreckt, mehr als viermal die Fläche Deutschlands.

Der Schwimmkörper, an dem eine Art Vorhang drei Meter tief ins Wasser hängt, soll durch den Plastikteppich treiben und den Müll einsammeln. Der werde dann später von Schiffen, die als "Müllwagen der Weltmeere" zu den Anlagen fahren, entsorgt und das Sammelgut zur weiteren Verarbeitung an Land gebracht, so die Vorstellung des jungen Erfinders Slat. 

Boyan Slat kam die Idee, als er mit 16 tauchen war

ARCHIV - 07.11.2017, Niederlande, Delft: Der junge Niederländer Boyan Slat, Gründer der Initiative «Ocean Cleanup», aufgenommen in der Zentrale von Ocean Cleanup. (zu dpa ««The Ocean Cleanup»: Countdown für Müllsammelaktion auf dem Meer» vom 02.09.20
Boyan Slat hatte die Idee im zarten Alter von 16.
© dpa, Annette Birschel, fgj
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Launching tomorrow!

Ein Beitrag geteilt von Boyan Slat (@boyanslat) am

Schon mit 16 Jahren sei ihm beim Tauchen in Griechenland die Idee gekommen, als er im Wasser "fast mehr Plastik als Fische" sah. Er konnte Investoren sowie zahlreiche Universitäten und Unternehmen für sein Millionenprojekt gewinnen. Die Zentrale ist im niederländischen Delft, vor der Nordseeküste wurden die ersten Prototypen getestet.

Kritik: Aktion kratzt nur an der Oberfläche

HANDOUT - Aufnahmedatum unbekannt, USA, San Francisco: Eine 120 Meter lange Einheit des ersten Reinigungssystems «The Ocean Cleanup» liegt während eines zweiwöchigen Test in der Bucht von San Francisco. Ab dem 08.09.2018 soll die U-förmige Anlage kna
"The Ocean Cleanup" - Meeres-Müllsäuberung vor San Francisco
© dpa, -, jbu wst

Doch das Projekt wirft auch Fragen auf und wird von vielen Experten eher kritisch gesehen. Ein Kritikpunkt: "The Ocean Cleanup" kratze buchstäblich nur an der Oberfläche. Eben Schwartz von der California Coastal Commission, einer staatlichen Behörde für Küstenschutz, verweist darauf, dass sich der Großteil des Plastikmülls in den Weltmeeren unter der Wasseroberfläche ansammelt, bis zum Meeresboden. Slat stelle die wahren Ausmaße des Problems nicht deutlich genug dar.

Zwar beschreibt Schwartz das Projekt als "sehr beeindruckend und innovativ", sagt aber zugleich "Wir brauchen aber viele Lösungsansätze, nicht nur ein Pflaster, nachdem die Verschmutzung bereits passiert ist."