Mordprozess in Hannover

„Sie brannte am ganzen Körper.“ - Mann soll seine Lebensgefährtin angezündet und getötet haben

Landgericht in Hannover
© dpa, Hauke-Christian Dittrich, hcd kno jol

14. Januar 2021 - 12:06 Uhr

Hannover: Mann soll seine Freundin mit Brennspiritus übergossen haben

"Ich wollte eigentlich keinen Streit mit ihr" liest heute (14.01.) der Verteidiger von Ryszard B. aus seiner schriftlichen Erklärung dem Richter vor. Vor dem Landgericht Hannover muss sich der 64-Jährige wegen grausamen Mordes verantworten: Im Juni 2020 soll er seine Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung in Hannover mit Brennspiritus übergossen und angezündet haben, um sie zu töten. Die 57-Jährige soll dadurch großflächige Brandverletzungen dritten Grades erlitten haben und trotz neuntägiger intensivmedizinischer Behandlung verstorben sein.

„Ich will klarstellen, dass ich Isabell nicht angezündet habe. Ich weiß nicht, wie sie in Brand geraten war.“

Der Angeklagte bestreitet die Tat vor Gericht. Er wisse noch immer nicht, warum sie gebrannt habe, ließ der Angeklagte von seinem Verteidiger erklären. Beide hätten an dem Abend viel Alkohol getrunken. Seine Freundin hätte für die Beiden gekocht, doch er habe keinen Hunger mehr, wenn er trinkt. Er wollte nichts essen, Isabell sei sauer geworden und soll gesagt haben, dass er eine große Enttäuschung für sie sei. Anschließend soll die 57-Jährige, nach Aussage des Angeklagten, versucht haben vom Balkon zu springen, wovon er sie abgehalten haben soll. Sie verließ die Wohnung und kam irgendwann wieder – dann soll sie in eine Ecke der Wohnung gegangen und plötzlich angefangen haben zu schreien und zu brennen: "Bitte glauben Sie mir, ich hätte Isabell nie angezündet" liest Ryszard B.´s Verteidiger weiter vor.

Angeklagter sagt, er wollte Feuer löschen

Ryszard B.´s Verteidiger erläutert, dass sein Mandant zwei Gießkannen geholt haben soll, um seine Freundin mit Wasser zu löschen. Dann soll er versucht haben, sie mit einer Decke abzulöschen und anschließend habe er den Notruf gerufen: "Es war unfassbar schlimm, sie erst brennen und dann auf dem Boden liegen zu sehen" lässt der Angeklagte verlesen. Es sei unmöglich diese schrecklichen Bilder zu vergessen. Nach der Erklärung des 64-Jährigen und einer weiteren Zeugenaussage endete der erste Prozesstag. Ein Urteil wird Ende Februar erwartet.