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Angeblicher Rauswurf soll unbegründet gewesen sein

Teenager verklagen Schule auf 20 Millionen Dollar – Blackfacing nur harmlose Gesichtsmaske?

Mit diesem Bild sollen drei Schüler sogenanntes "Blackfacing" betrieben haben. Doch sie bestreiten eine böse Absicht - es sei nur eine Gesichtsmaske gewesen.
Mit diesem Bild sollen drei Schüler sogenanntes "Blackfacing" betrieben haben. Doch sie bestreiten eine böse Absicht - es sei nur eine Gesichtsmaske gewesen.
© Superior Court of California

03. März 2021 - 19:18 Uhr

Mega-Klage gegen Elite-Highschool in den USA

Zwei Schüler aus den USA und ihre Familien fordern von ihrer Schule 20 Millionen Dollar – weil sie zu Unrecht der Schule verwiesen worden seien. Außerdem sei der Ruf der Familien nachhaltig beschädigt, heißt es in der Klageschrift. Es geht um Blackfacing-Vorwürfe und Rassismus.

Schule drohte Schülern wegen Blackfacing-Vorwürfen mit Konsequenzen

Im Juni 2020 verlassen zwei Schüler die elitäre St. Francis Highschool in Mountain View, Kalifornien – für immer. Mitten in der Debatte um Rassismus und Polizeigewalt in den USA sorgte ein Bild der Schüler für Aufsehen: Drei weiße Jugendliche im Alter von 14 Jahren, mit einer Art dunklen Farbe im Gesicht. Das Bild wird in den sozialen Medien als Negativbeispiel geteilt, andere Eltern und Schüler fordern Konsequenzen. Als die Schule davon erfährt, leitet sie eine Untersuchung gegen zwei der Teenager ein. Ein solches Verhalten sei zutiefst rassistisch und diskriminierend, teilt die Schule damals mit. Man dulde so etwas an der katholische St. Francis-Schule nicht und werde disziplinarische Maßnahmen gegen die Schüler einleiten – obwohl das Bild bereits 2017 gepostet wurde und drei Jahre lang niemanden an der Schule gestört hatte. Der dritte Junge auf dem Bild ist nicht betroffen, denn er besucht eine andere Schule.

Was bedeutet "Blackfacing"?

Doch was wird den Schülern überhaupt vorgeworfen? "Blackfacing", zu Deutsch: sich das Gesicht schwärzen oder schwarz anmalen, hat eine lange Historie – vor allem in den USA – aber auch in Europa. Weiße Menschen malten sich früher die Gesichter mit schwarzer oder dunkler Farbe an, um in Theaterstücken und Filmen Schwarze Menschen darzustellen. Problematisch einerseits, weil Schwarze Menschen ihre Hautfarbe nicht einfach ab- und anlegen können, wie weiße Menschen das Gesichts-Make-up. Andererseits wurde diese Art der "Verkleidung" lange dazu benutzt, sich über Schwarze Menschen lustig zu machen, sie zu verhöhnen und rassistische Stereotype darzustellen. "Die entsprechende, vermeintlich komische Praxis war auf der Bühne oder im Film selten mit der erkennbar bösen Absicht verbunden, Menschen nicht-weißer Hautfarbe zu diffamieren. Und doch ist genau das beim 'Blackfacing' der Fall", so Barbara Behrendt, Theaterkritikerin, im "Deutschlandfunk".

Gingen die Schüler freiwillig oder nicht?

Auch die St. Francis Highschool teilt damals mit, dass es nicht um die Absicht der Schüler gehe – sondern um die Darstellung an sich. "Die Schüler sind für das Posten des Fotos in den sozialen Medien verantwortlich und damit auch für die Wahrnehmung und die Konsequenzen des Posts", teilte die Schule mit. Kurz nach den Vorwürfen verließen die Jugendlichen die Schule. Ob freiwillig oder nicht, ist unklar.

St. Francis High School
Die St. Francis High School gilt als Elite-Schule in Mountain View - und drohte den Schülern mit Konsequenzen.
© Superior Court of California

Schüler werfen Schule Rufmord und Erpressung vor

Jetzt, fast ein Jahr nach dem Aufschrei, verklagen zwei der Schüler laut einem Bericht des "San Francisco Chronicle" (SFC) die Schule. Es geht um Rufmord und die Tatsache, ob die Schule die Schüler gezwungen hat, zu gehen, oder ob sie nach dem Vorfall freiwillig die Einrichtung verlassen haben. Die Schüler werfen der Schule laut Bericht vor, sie vor die Wahl gestellt zu haben: Entweder von sich aus gehen oder rausgeworfen werden. Wenn sie von sich aus gingen, werde man kein Wort über den Grund des Abgangs verlieren, soll die Schule den Jungen gesagt haben – was einer Art Erpressung gleichkäme.

Schüler bestreiten böse Absicht - es sei eine Gesichtsmaske gewesen

Die Schüler und ihre Anwälte behaupten laut "SFC" in der Klageschrift außerdem, dass es sich bei der Farbe auf den Bildern um eine Gesichtsmaske gegen Akne gehandelt habe. Man habe eine hellgrüne Maske aufgetragen, die dunkelgrün getrocknet sei – dann habe man ein harmloses Selfie gemacht. Eine böse oder gar rassistische Absicht weisen die Jungen von sich. Man habe mit dem Rauswurf der Teenager nur einen Sündenbock finden und andere abschrecken wollen, um dem Ruf der Schule nicht weiter zu schaden. Damals hätten die Jungen gar nicht gewusst, was Blackfacing überhaupt ist. Zwei Tage zuvor hätten die Schüler außerdem bereits ein Selfie mit einer weißen Gesichtsmaske gepostet.

Schüler mit Gesichtsmaske
Die Schüler sollen zwei Tage zuvor bereits dieses Bild mit Gesichtsmasken in weißer Farbe gepostet haben.
© Superior Court of California

Fall wird derzeit vor Gericht verhandelt

"Mit der Klage wollen wir jetzt unsere Familien von dem Schmutz befreien, den der Rauswurf über uns gebracht hat", heißt es der Zeitung zufolge in der Klageschrift. Die Familien fordern zusammen 20 Millionen Euro Schadensersatz von der Schule – auch, weil die Jungen erhebliche psychische Schäden von dem Vorfall davongetragen hätten. Beide hätten wegen Schlafproblemen und Mobbing in Behandlung gemusst, einer hätte sogar den Bundesstaat verlassen müssen. Die Forderung wird nun vor Gericht verhandelt – ob die Jungen recht bekommen, ist bislang offen.

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