Kairo: Größte Demonstration seit dem Sturz von Mubarak

7. Dezember 2012 - 8:48 Uhr

Junger Mann stirbt bei Polizeigewalt

Bei einer gewaltigen Massendemonstration in Kairo haben viele Tausend Ägypter den Rücktritt von Präsident Mohammed Mursi gefordert. Es war die größte Protestkundgebung seit dem Sturz seines Vorgängers Husni Mubarak Anfang 2011. Nach Schätzungen von Teilnehmern versammelten sich mehr als 300.000 Menschen auf dem zentralen Tahrir-Platz und riefen Parolen gegen den Islamisten.

Kairo Mursi Mubarak
Auf dem Tahrir-Platz in Kairo versammelten sich 300.000 Menschen.
© Reuters, ASMAA WAGUIH

Auch in mehreren Provinzstädten gab es Kundgebungen gegen Mursis umstrittene Erklärung. In der Hafenstadt Alexandria und in der Industriestadt Al-Mahalla kam es zu Schlägereien zwischen Islamisten und Demonstranten. Dutzende von Menschen wurden verletzt. In Kairo starb nach Angaben des Gesundheitsministeriums ein junger Mann, als die Polizei mit Tränengas auf eine Gruppe von Jugendlichen feuerte.

An der Demonstration auf dem Tahrir-Platz nahmen auch führende Oppositionelle sowie Schauspieler, Anwälte und Journalisten teil. Einige von ihnen riefen: "Oh Mubarak, sag dem Mursi, auf den Thron folgt die Zelle!" Die Mursi-Gegner zeigten sich von dem Zulauf begeistert. "Die Muslimbrüder haben immer behauptet, dass wir den Tahrir-Platz ohne ihre Unterstützung nicht voll kriegen, jetzt haben wir ihnen gezeigt, dass dies nicht stimmt", erklärte ein Aktivist.

Flüge nach Kairo gecancelt – zu gefährlich

Proteste gegen Mursis Erklärung, mit der er sich selbst und das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee vor dem Zugriff der Justiz schützt, gab es auch in den Städten Luxor, Assiut, Kena, Tanta, Al-Arisch, Bani Sueif und Suez. Die Muslimbrüder, denen Mursi vor Amtsantritt angehört hatte, und die Salafisten sagten eine ursprünglich geplante Solidaritätskundgebung für den Präsidenten kurzfristig ab, "um Blutvergießen zu verhindern".

Dafür hielten die Proteste an: Auch einen Tag nach der Massenveranstaltung auf dem Tahrir-Platz in Kairo protestieren wieder einige hundert Menschen gegen Mursi. Die Polizei setzt erneut Tränengas ein.

Mursi will trotz des Widerstandes der Opposition und der Justiz nicht von seiner umstrittenen Position abrücken. Zahlreiche Richter erscheinen aus Protest gegen die Entmachtung der Justiz nicht zur Arbeit. Wegen der Unruhen sagten mehrere Reiseveranstalter Ausflüge in die ägyptische Hauptstadt ab.