Kämpfe um Ost-Ghuta: UN-Sicherheitsrat einigt sich einstimmig auf 30 Tage Waffenruhe in Syrien

24. Februar 2018 - 21:27 Uhr

Hoffnungsschimmer für Zivilbevölkerung

Nach tagelangen Verhandlungen hat sich der UN-Sicherheitsrat einstimmig auf eine mindestens 30 Tage andauernde Feuerpause in Syrien geeinigt. Russland hatte sich gegen einen ersten Resolutionsentwurf gestellt. Das belagerte Rebellengebiet Ost-Ghuta in Syrien ächzt unter der schlimmsten Angriffswelle seit Jahren. Seit vergangenen Sonntagabend wurden über 500 Zivilisten getötet, darunter mehr als 120 Kinder.

In den letzten Tagen starben mehr als 120 Kinder durch Bomben

Kämpfe um Ost-Ghuta: UN-Sicherheitsrat einigt sich einstimmig auf 30 Tage Waffenruhe.
Tagelang wurde im UN-Sicherheitsrat über einen Waffenstillstand in Syrien gestritten.
© REUTERS, EDUARDO MUNOZ, EM/PAS

Halten sich die Kriegsparteien an diesen Entschluss? Auch wenn die UN-Resolution keine völkerrechtlich bindenden Druckmittel beinhaltet, ist sie für die Menschen in Ost-Ghuta doch ein Hoffnungsschimmer. Humanitäre Helfer sollen Zugang zu den belagerten Gebieten erhalten, Kriegsopfer könnten in Sicherheit gebracht werden. "Die UN-Konvois und Evakuierungs-Teams sind bereit", sagte Schwedens UN-Botschafter Olof Skoog.

Die Videoaufnahmen aus der umkämpften Region sind kaum zu ertragen: Ein Mann hält ein verletztes Kind im Arm und fleht es an, nicht die Augen zuzumachen – aus Angst, dass es nie wieder aufwacht. Die beiden sitzen in einem Wagen der "Weißhelme" und rasen so schnell es geht durch die zerbombten Straßen zur nächsten Notaufnahme.

400.000 Menschen sind fast vollständig von der Außenwelt abgeschlossen und den Angriffen aus der Luft schutzlos ausgeliefert. Innerhalb weniger Tage starben 430 Zivilisten – darunter fast 100 Kinder, meldete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Außerdem wurden über 2.200 Menschen verletzt. Die verbliebenen Krankenhäuser sind völlig überlastet.

Die von der UN verabschiedete Resolution betrifft den Konflikt zwischen Rebellen und der syrischen Armee. Angriffe auf die Terrorgruppen Islamischer Staat (IS), Al-Kaida und Al-Nusra sind davon ausgenommen. Es ist fraglich, wie strikt sich die Konfliktparteien an die Waffenruhe halten werden.

"Welchen Wert hat der Sicherheitsrat?"

Verletzte Kinder durch Angriffe auf die Region Ost-Ghuta
Innerhalb weniger Tage starben bei Angriffen in der Region Ost-Ghuta fast 100 Kinder.
© dpa, Samer Bouidani, afn pat

Die von Rebellen kontrollierte Region wird seit 2013 von syrischen Regierungstruppen belagert, darum fehlt es an allem. Medikamente, Nahrungsmittel und Strom sind Mangelware. Mehrere Krankenhäuser mussten nach den Angriffen darum ihren Betrieb einstellen. Die Verletzten können einfach nicht mehr versorgt werden.

Für Unverständnis sorgen in der Region die langsamen Verhandlungen bei der UN. "Welchen Wert hat der Sicherheitsrat (...), wenn er angesichts von Schurkenstaaten hilflos ist, die ihr Arsenal benutzen, um auf Zivilisten in Ost-Ghuta zu zielen", fragte der Chefunterhändler der syrischen Opposition, Nasr al-Hariri bei Twitter.