Käfer beißt sich an Babyhals fest

So sieht die Larve eines sogenannten "Bienenwolfs" aus.
© dpa, Zoologische Staatssammlung

05. April 2015 - 9:57 Uhr

Ein rotes Insekt hat sich am Hals eines Säuglings festgebissen - erst Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München können die Mutter beruhigen. Der Abgleich mit der internationalen Gendatenbank ergibt: Das Insekt ist harmlos.

Es handelte sich um die Larve des Buntkäfers Trichodes apiarius, eines für Menschen ungefährlichen Insekts, das auch "Bienenwolf" genannt wird. Die Larve des rot-schwarzen, einen Zentimeter langen Käfers entwickelt sich normalerweise in Nestern von Wildbienen. Das Tier hatte sich an den Hals des Kindes verirrt.

Gencodes identifizieren Insekten und Schmuggelware

Die Staatssammlung arbeitet an dem internationalen Barcoding-Projekt mit, das Gensequenzen aller Tierarten weltweit registrieren soll. Schon mehrfach konnten die Forscher auch medizinisch Hilfe leisten. Vor zwei Jahren klärten sie einen spektakulären Notfall: Damals war eine Tibettouristin von der Larve einer Yak-Dasselfliege befallen, sie klagte nach ihrer Rückkehr über starke Schmerzen und Schwellungen im Oberkörper. Schließlich wurde eine weiße Made entfernt - per Gewebeprobe ließ sich nachweisen: Es war der zweite dokumentierte Befall eines Menschen durch die Yak-Dasselfliege, deren Larven sich normalerweise im Körper von Huftieren entwickeln.

Mit Hilfe des internationalen Barcoding-Projekts können Tierarten auf einfache Weise identifiziert werden. Rund 16.000 Gencodes aus Deutschland wurden bereits erfasst, weltweit sind es rund 236.000. Die Codes sind über eine Internetplattform weltweit zugänglich. Davon profitieren Ärzte, aber auch Ermittler. Der Zoll etwa nutzt DNA-Codes, um den Schmuggel geschützter exotischer Tierarten besser zu bekämpfen. Auch an Schmuckgegenständen aus Zähnen, Knochen oder Leder lässt sich die Herkunft zweifelsfrei nachweisen. Beim Pferdefleischskandal waren Genanalysen am Rande im Spiel. Künftig könnten Gencodes im Lebensmittelbereich eine größere Rolle spielen.