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Kachelmann: Sabine W.s Aussage wird zum Nervenkrieg

Kachelmann: Sabine W.s Aussage wird zum Nervenkrieg

Sabine W. auf dem Weg ins Mannheimer Landgericht: Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer von Jörg Kachelmann sagt endlich aus.
Sabine W. auf dem Weg ins Mannheimer Landgericht: Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer von Jörg Kachelmann sagt endlich aus.
dpa, Ronald Wittek

Neuer Befangenheitsantrag gegen Richter

Was genau geschah in jener Nacht zum 9. Februar, in der Sabine W. angeblich von Fernsehmoderator Jörg Kachelmann vergewaltigt wurde? Woher stammen die Blutergüsse auf ihren Beinen? Diesen und vielen weiteren Fragen wollte sich die 37-jährige Ex-Freundin des 52-jährigen Wetterexperten vor Gericht stellen – sie kam aber gar nicht zu Wort, dank der Verteidiger von Kachelmann.

Kachelmanns Anwälte starteten mit zahlreichen Anträgen einen Nervenkrieg und verzögerten das Verfahren mit der Befragung Sabine W.s, für die die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Wegen der Anträge der Verteidigung verschob das Gericht seine Vernehmung des mutmaßlichen Opfers auf den nächsten Verhandlungstag am Montag.

Am Mittag stellte die Verteidigung einen weiteren Befangenheitsantrag gegen die Richter. Begründet wurde er damit, dass die Kammer es unterlassen hatte, die Nebenklägerin über das Zeugnisverweigerungsrecht nach Paragraf 55 der Strafprozessordnung zu belehren. Demnach dürfen Zeugen die Aussage verweigern, wenn die Gefahr besteht, dass sie sich selbst belasten und möglicherweise strafrechtlich verfolgt werden. Kachelmanns Verteidigung unterstellt wohl diese Gefahr, weil die Frau in früheren Vernehmungen die Unwahrheit gesagt habe, und sich deshalb möglicherweise einer Falschaussage schuldig gemacht haben könnte.

Wegen dieses Vorgehens sei davon auszugehen, dass die Richter eine Strafverfolgung der Zeugin bei wahrheitsgemäßer Aussage für ausgeschlossen hielten, erklärten Kachelmanns Verteidiger. Nach ihrer Darstellung hat sich das Gericht entschieden, der Nebenklägerin nicht ausreichend kritisch gegenübergetreten zu sein.

Kachelmanns Gutachter bleibt ausgeschlossen

Am Morgen hatte das Gericht noch über einen andere Antrag der Verteidigung entschieden: Es lehnte ab, den Rechtsmediziner Bernd Brinkmann doch wieder zuzulassen. Brinkmann, dem Befangenheit vorgeworfen wird, hatte die Darstellungen von Sabine W. bereits vor dem Verfahren angezweifelt. Brinkmann könne im weiteren Verfahren aber noch als "sachverständiger Zeuge" gehört werden, erklärte das Gericht.

Für die eigentliche Vernehmung der Ex-Freundin wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der Vorsitzende Richter befragte sie zunächst lediglich nach ihren persönlichen Daten und belehrte sie darüber, dass sie verpflichtet ist, vor Gericht die Wahrheit auszusagen.

Daraufhin beantragte Kachelmanns Verteidiger Reinhard Birkenstock, sie auch über das Zeugnisverweigerungsrecht zu belehren. Nachdem der Vorsitzende Richter zunächst den Antrag abgelehnt hatte, beantragte Birkenstock einen förmlichen Beschluss. Die Sitzung wurde ein weiteres Mal unterbrochen, nach fast 50-minütiger Beratung lehnte das Gericht den Antrag auf die Belehrung ab und beendete den Prozesstag.

Sabine W. soll seit 1998 ein Verhältnis mit Kachelmann gehabt haben. Dann erkannte sie nach Angaben der Ermittler, dass ihr Geliebter neben ihr noch andere Freundinnen hatte. Sie stellte ihn zur Rede und wollte sich laut Anklage von ihm trennen. Daraufhin soll er sie mit einem Küchenmesser bedroht und zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Sabine erschien zwar zum Prozessauftakt, doch sie schwieg. Zu hören war bisher nur ihr Notruf bei der Polizei.

Der 52-jährige Schweizer muss sich seit Anfang September vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft im vor, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Kachelmann bestreitet die Vorwürfe.