Kachelmann punktet vor der Winterpause

© dpa, Ronald Wittek

9. Februar 2011 - 19:40 Uhr

Zwischenbilanz im Prozess des Jahres

Vor dem Mannheimer Landgericht fand heute der 22. und für dieses Jahr letzte Verhandlungstag im Vergewaltigungprozess gegen Jörg Kachelmann statt. Der Wettermoderator hat inzwischen mehr Grund zum Optimismus - erst am Montag hatte ihn ein Gutachten zur angeblichen Tatwaffe entlastet.

In der letzten Sitzung vor der Winterpause hat das Gericht den Antrag auf Durchsuchung der Redaktionen von 'Bunte' und 'Focus' abgelehnt. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Beeinflussung von Zeugenaussagen durch die Zeitschriften, so der Vorsitzende Richter Michael Seidling. Kachelmanns Verteidigung hatte den Zeitschriften vorgeworfen, sie wollten die Aussagen von ehemaligen Geliebten des Moderators "zum Nachteil des Angeklagten beeinflussen". Hierbei bezog sie sich auf Zeuginnen, die zum Teil noch vor ihrer Aussage vor Gericht Interviews gegeben hatten.

Außerdem sagte eine Kriminalbeamtin aus. Sie hatte das mutmaßliche Opfer nach der angeblichen Tat vernommen. Das Gericht wollte unter anderem prüfen, inwieweit die damaligen Angaben mit der Aussage des 37-jährigen Opfers vor Gericht übereinstimmen. Für die Vernehmung der Polizistin wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen, da es hierbei um Vorgänge aus dem Intimbereich ging.

Gutachter könnte Wende eingeleitet haben

Die Einschätzung eines Gutachters zu Beginn der Woche könnte eine Wende in dem Prozess bedeuten. Das mutmaßliche Opfer, Sabine W., hatte angegeben, der Wettermoderator habe ihr ein Messer an den Hals gehalten, als er sie vergewaltigte. Vom Gutachter hieß es; auf dem Messer seien nicht genügend DNA-Spuren, die das eindeutig belegen könnten. Die Verteidigung ist nun optimistisch, was die Chancen ihres Mandanten angeht.

Da Kachelmann schweigt, dreht sich der Prozess um die Aussage der 37-jährigen Radiomoderatorin. Vier Verhandlungstage lang wurde sie vor Gericht vernommen, insgesamt mehr als 20 Stunden. Die Öffentlichkeit war dabei ausgeschlossen. Über das, was im Gerichtssaal passierte, gibt es unterschiedliche Angaben. Kachelmanns damalige Verteidiger zeigten sich zufrieden, Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge nannte das "Wunschdenken".

Eine ganz besondere Rolle spielt Kachelmanns neuer Hauptverteidiger. Der Hamburger Staranwalt Johann Schwenn löste den Kölner Reinhard Birkenstock überraschend Verteidiger ab - und legte sich gleich mit allen Beteiligten an. Meist hanseatisch-ruhig im Ton, teilte Schwenn nach allen Seiten aus: Die Staatsanwälte bezeichnete er als "verdächtiger als Herr Kachelmann". Die Richterin Daniela Bültmann ging er an, weil sie "geradezu schmerzverzerrt dreinblickt". Und Pflichtverteidigerin Andrea Combé attestierte er, sie sei von seinem Vorgänger Birkenstock "faktisch entmündigt" worden.

Die Strafkammer reagierte auf Schwenns Art eher hilflos. Am 19. Verhandlungstag protestierte der Vorsitzende Richter Seidling: "Ich möchte mir nicht die Prozessführung aus der Hand nehmen lassen!"

Jörg Kachelmann sieht inzwischen wieder ein bisschen erholter aus, doch um seine Mundwinkel haben sich Falten eingegraben. Manchmal scherzt er ein wenig mit den Wachleuten. Doch in der Verhandlung sagte auch am letzten Tag vor der kurzen Winterpause kein Wort. Am 19. Januar soll es im Verfahren gegen Wettermoderator weitergehen.