Kachelmann-Prozess: Urteil erst im Mai

Am 29. Verhandlungstag muss sich Wetterexperte Jörg Kachelmann weiterhin vor dem Landgericht Mannheim wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung verantworten. Der 52-jährige Schweizer soll seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben.
Am 29. Verhandlungstag muss sich Wetterexperte Jörg Kachelmann weiterhin vor dem Landgericht Mannheim wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung verantworten. Der 52-jährige Schweizer soll seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben.
© dpa, Ronald Wittek

24. Mai 2011 - 13:45 Uhr

Es geht um Erinnerungslücken des mutmaßlichen Opfers

Der Prozess um den Wettermoderator Jörg Kachelmann geht erneut in die Verlängerung. Er wird nicht wie zuletzt angekündigt, Ende März enden, sondern wahrscheinlich erst im Mai.

Die Kammer will mindestens noch an sechs Tagen verhandeln. Im April wird es voraussichtlich keine Termine geben, da Kachelmann drei Wochen nach Kanada reist, um dort Kinder aus einer früheren Ehe zu besuchen. Der Besuch sei notwendig, da er ansonsten sein Besuchsrecht verliere, begründete die Verteidigung die Unterbrechung.

Zuvor hatte ein Gutachter darauf hingewiesen, dass sich Opfer von Gewalttaten in der Regel gut an die Tat erinnern könnten. Er nährte damit Zweifel an der These, dass Erinnerungslücken Folgen einer Traumatisierung seien. Der Therapeut von Kachelmanns Ex-Geliebter, Günter Seidler, vertritt die umstrittene Ansicht, Erinnerungslücken des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers seien auf eine Traumatisierung zurückzuführen. Die Frau beschuldigt Kachelmann, er habe ihr ein Messer an den Hals gedrückt und sie vergewaltigt. Der 52-jährige Schweizer bestreitet das.

In der Regel würden "dramatische Ereignisse in großer Helligkeit erinnert", sagte der psychiatrische Sachverständige Hans-Ludwig Kröber vor dem Mannheimer Landgericht. Die alltägliche Erfahrung zeige, dass Gewalttaten gut erinnert werden könnten. Das "Kerngeschehen" bleibe in der Regel fest verankerter Bestand der Erinnerung.

Laut Kröber führt ein schreckliches Erlebnis auch nicht automatisch zu einem Trauma. Nur etwa 30 Prozent der Heimkehrer aus dem Vietnamkrieg hätten entsprechende Symptome wie Schlaflosigkeit, Gereiztheit und depressive Stimmung entwickelt. Diese Symptome seien zudem kein Beweis für ein Trauma, sondern könnten auch andere Ursachen haben.

Starke Belastung und Krankheit könnten zu einem globalen Gedächtnisverlust führen, punktuelle Erinnerungsausfälle seien eher unwahrscheinlich, sagte der Direktor des Instituts für forensische Psychiatrie an der Berliner Charité. Kröber hatte die Ex-Geliebte Kachelmanns zwei Tage lang befragt. Die Öffentlichkeit wurde erneut ausgeschlossen als er die Ergebnisse der Befragung schilderte. Das Landgericht Mannheim hatte Kröber als sachverständigen Gutachter beauftragt.

Streit über Aussage der Schweizer Zeugin

Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn bezweifelte unterdessen, dass die Staatsanwaltschaft Angaben einer angeblichen Ex-Geliebten in der Schweiz korrekt wiedergegeben habe. Die Frau soll Kachelmann bei einem Telefonat mit den Ermittlern angeblich belastet haben. Schwenn beantragte, Staatsanwalt Oskar Gattner als Zeugen dazu zu vernehmen.

Laut Schwenn soll die Frau nie gesagt haben, dass Kachelmann bei einem Treffen kurzzeitig "wie verwandelt gewesen" sei und sie "Angst wie noch nie in ihrem Leben" empfunden habe. Weil sich die Frau geweigerte hatte, vor einem deutschen Gericht auszusagen, waren Richter, Staatsanwälte und Verteidiger zu einer nichtöffentlichen Vernehmung in die Schweiz gereist. Über das Ergebnis ist bisher nichts bekannt.

Die Staatsanwaltschaft betonte, die Frau habe sich anders geäußert als von der Verteidigung dargestellt und verwies auf ein Protokoll, dessen Inhalt nichtöffentlich ist. Das Gericht hatte Zuhörer und Journalisten ausgeschlossen, als das Protokoll von der Vernehmung der Frau verlesen wurde. Es gehe um ihre Beziehung zu Kachelmann und Details aus ihrem Intimleben, hatte das Gericht am Mittwoch erklärt.