JVA Dresden: Häftling flüchtet nach dreistem Trick

11. Oktober 2016 - 15:13 Uhr

Gab sich als Zellennachbar aus

Ähnliches Aussehen, gleiche Frisur: Mit einem dreisten Trick ist einem ungarischen Häftling die Flucht aus dem Dresdner Gefängnis geglückt. Der 32-Jährige täuschte mehrere Vollzugsbeamte, indem er mit geklauten Papieren und umgestylten Haaren vorgab, sein Zellennachbar zu sein, der aus der Haft entlassen werden sollte. Stattdessen ging der 32-Jährige. Die Polizei fahndet europaweit mit einem Foto nach dem Mann. Bislang fehlt jede Spur.

Häftling flüchtet aus JVA Dresden.
Unter den Augen der Wachleute marschierte der 32-jährige Ungar ganz entspannt durch das Sicherheitstor der JVA Dresden.
© dpa, Arno Burgi

Die Panne flog erst 45 Minuten später auf. Nun werden intern die Umstände der Flucht und mögliche Konsequenzen geprüft, sagte der Leiter der Justizvollzugsanstalt, Ulrich Schwarzer. Er hatte zunächst keinen konkreten Anhaltspunkt für grob fahrlässiges Verhalten. Der Geflohene saß wegen Diebstahls, es lag aber auch noch ein neuer Haftbefehl vor - wegen Menschenhandels. Er soll eine junge Frau nach Deutschland verschleppt und sie zur Prostitution gezwungen haben.

"Vom Bild her sehen sie sich ähnlich"

Die Zelle teilte er sich mit einem Kleinkriminellen. "Vom Bild her sehen sie sich ähnlich", sagte Schwarzer. Der 32-Jährige musste nur noch seinen Haarschnitt anpassen. Die Täuschung fiel keinem der Bediensteten auf. "An diesem Tag wurden mehrere Gefangene entlassen", sagte Schwarzer. Die Beamten hätten zur Identitätsprüfung nur einen Fotoausdruck aus dem Computer. So wurde der Falsche aus der Zelle abgeholt, bekam die persönlichen Sachen seines Mithäftlings ausgehändigt, erledigte letzte Formalitäten und spazierte schließlich durch das Tor in die Freiheit. "Das ist mir in 30 Jahren noch nicht passiert", meinte Schwarzer.

Die Polizei vermutet, dass der Geflohene sich nach Ungarn absetzen will. Personen, die ihn erkennen, sollten ihn auf keinen Fall ansprechen, sondern sofort die Polizei alarmieren. Es sei nicht abzuschätzen, wie der fälschlicherweise Entlassene reagieren würde und ob er gewalttätig werden könnte. Der Gesuchte ist 1,75 Meter groß und hat kurzes schwarzes Haar. Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter der Rufnummer (0351) 483 22 33 entgegen.