Justizministerin Katarina Barley besteht auf Aufklärung im Facebook-Skandal

26. März 2018 - 22:44 Uhr

Katarina Barley traf Unternehmensvertreter in Berlin

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hat sich in Berlin zu einem Gespräch mit Vertretern von Facebook getroffen. Dabei ging es um den massiven Datenmissbrauch durch die umstrittene Analysefirma Cambridge Analytica. Facebook habe sich laut Barley verpflichtet, alle Betroffenen zu informieren und aufzuklären. Wie viele deutsche Nutzer ausspioniert wurden, müsse noch genauer geklärt werden.

Justizministerin will mehr als leere Versprechungen

Für die Bundesjustizministerin ist der Facebook-Skandal gleich zu Beginn ihrer Amtszeit eine Feuertaufe. Facebook habe Verstöße und Versäumnisse eingeräumt und gelobe Besserung, erklärte Barley nach dem Gespräch mit Unternehmensvertretern. "Die Versprechen sind uns allerdings nicht genug. Wir werden in Zukunft Unternehmen wie Facebook deutlich strenger überwachen müssen", unterstrich die Ministerin.

Die Bundesregierung bestehe auf einer vollständigen Aufklärung des Skandals. Barley will insbesondere Klarheit schaffen, wie viele deutsche User unter den 50 Millionen Datensätzen sind, die von Cambridge Analytica gesammelt wurden. Die genauen Zahlen würden laut der Ministerin "dieser Tage" noch geklärt. Außerdem will Barley, dass Nutzerinnen und Nutzer in "einfacher, verständlicher Sprache" über ihre Rechte aufgeklärt werden. Denn ein Hauptproblem sei weiterhin, dass viele Menschen freiwillig ihre Daten preisgeben.

"Ein gewisser Prozentsatz" der Betroffenen aus Deutschland?

Auch wenn die Ergebnisse der Gespräche bisher nicht sehr konkret wirken, gab sich der europäische Cheflobbyist von Facebook, Richard Allan, einsichtig. "Wir unternehmen die notwendigen Schritte, um sicherzustellen, dass so etwas nicht noch einmal passieren kann", erklärte er ähnlich demütig wie sein Chef Mark Zuckerberg, der ebenfalls Fehler eingestanden hatte.

Die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica hatte mithilfe einer Psychologie-Umfrage Informationen über insgesamt 50 Millionen User gesammelt. Rund 300.000 Facebook-Nutzer hatten eine App genutzt, bei der Fragen zur Persönlichkeit gestellt wurden. Anhand dieser Daten konnten Cambridge Analytica auch auf Details aus verknüpften Kontakten zugreifen. Von den 300.000 App-Nutzern soll auch etwa ein Prozent aus Europa stammen. Dementsprechend dürfte laut Katarina Barley "ein gewisser Prozentsatz" der Betroffenen aus Deutschland kommen.