Unberechtigt in Psychiatrie untergebracht

Justiz-Opfer Gustl Mollath bekommt 600.000 Euro

© dpa, Daniel Karmann

12. November 2019 - 17:39 Uhr

Freistaat Bayern zahlt an Gustl Mollath

Gustl Mollath erhält vom Freistaat Bayern weitere 600.000 Euro Entschädigung. Das sei das Ergebnis einer gütlichen Einigung, teilte das Landgericht München am Dienstag mit. Mollath war 2006 nach einem Prozess wegen angeblicher Gewalt gegen seine Ehefrau in die Psychiatrie eingewiesen worden, zu Unrecht, wie sich Jahre später in einem Wiederaufnahmeverfahren herausstellte. 2.747 Tage - mehr als sieben Jahre - hatte er in der Psychiatrie verbracht. 70.000 Euro hatte der Freistaat Bayern an den 63-Jährigen bereits gezahlt.

Langer Prozess um Entschädigung

Der Freistaat Bayern vertrat im monatelangen Entschädigungsstreit die Ansicht, Mollath stünden gesetzlich 25 Euro pro Tag als Entschädigung zu. Das wären 68.675 Euro. Mollath war hingegen mit der Forderung von 1,8 Millionen Euro in die Verhandlungen gegangen. In der Summe enthalten sind zum Beispiel 800.000 Euro Schmerzensgeld, 288.000 Euro Verdienstausfall und 90.000 Euro Anwaltskosten.

Das Landgericht München hatte bereits im März entschieden, dass Mollath eine Entschädigung zustehe. Eine "Vielzahl von Verfahrensfehlern" habe dazu geführt, dass Mollath zur Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik verurteilt worden sei, sagte der Vorsitzende Richter damals. Das Gericht in Nürnberg sei damals "bemüht gewesen, das Verfahren schnell zu beenden. Da hat wohl der Sachverhalt etwas drunter gelitten."