12. Februar 2019 - 20:37 Uhr

Einer der größten Drogenkriminellen aller Zeiten wurde verurteilt

Der mexikanische Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzman ist von einem New Yorker Gericht für schuldig befunden worden. Und das in allen zehn Anklagepunkten. Der 61-Jährige muss lebenslang hinter Gitter. Von der Stimmung im Gerichtssaal nach der Urteilsverkündung berichtet RTL-Reporterin Sandra Lange im Video.

"El Chapo“ wird den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen

Nach 33 Stunden Beratung sah die Jury die Schuld des 61-Jährigen in allen zehn Anklagepunkten als erwiesen an. Das verkündete Richter Brian Cogan am Dienstag in New York. Für den schwersten Anklagepunkt, die Beteiligung an einer Verbrecherorganisation, schreibt das Strafgesetzbuch der USA lebenslange Haft vor. Er kann keinen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen und dürfte damit bis zu seinem Tod im Gefängnis bleiben.

Mexiko und die USA verzichten auf die Todesstrafe

Die nach US-Bundesgesetz zulässige Todesstrafe war in dem Verfahren nach einer Einigung zwischen den USA und Mexiko, die Guzmán nach seiner Festnahme ausgeliefert hatten, ausgeschlossen. Die weiteren der insgesamt zehn Anklagepunkte drehten sich um die Herstellung und internationale Verbreitung von Kokain, Heroin, Methamphetamin und Marihuana sowie den Gebrauch von Schusswaffen und Geldwäsche.

Die Jury hörte mehr als 50 Zeugen vor Gericht an

Rund 35 Stunden über sechs Tage hatten die zwölfköpfige Jury aus acht Frauen und vier Männern über seine Schuld oder Unschuld diskutiert. Auch eine Verurteilung in nur einem oder einigen der Anklagepunkte hätte für Guzmán ebenfalls eine jahrelange oder lebenslange Haftstrafe bedeutet. Ein Freispruch schien angesichts der teils erdrückenden Beweislast sehr unwahrscheinlich.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess über zweieinhalb Monate massenhaft Beweismaterial vorgelegt und mehr als 50 Zeugen aufgerufen. Guzmáns Anwälte riefen dagegen nur einen einzigen Zeugen auf und beendeten ihre Verteidigung des Falls innerhalb von 30 Minuten. Ihre Strategie bestand im Wesentlichen darin, die Zeugen der US-Regierung als Lügner darzustellen, die durch Aussagen gegen ihn lediglich eigene Haftstrafen verringern wollten. "El Chapo" selbst hatte darauf verzichtet auszusagen.

Wo "El Chapo" eingesperrt wird, ist noch unklar

Guzmán ist derzeit in einem Hochsicherheitsgefängnis in New Yorks Stadtteil Manhattan eingesperrt. Nun soll er offenbar in ein Gefängnis im US-Bundesstaat Colorado überführt werden, das wegen der nahegelegenen Rocky Mountains den Beinahmen "Alcatraz der Rockies" trägt und als eine der sichersten Haftanstalten der USA gilt.

In Mexiko gelang es Guzmán bereits zwei Mal, aus dem Gefängnis auszubrechen: 2001 entkam er in einem Wäschekorb und 2015 durch einen Tunnel, den Komplizen bis unter seine Zelle gegraben hatten.