"Grün rauchen, gelb wählen"

Junge Liberale machen mächtig Wahl-Dampf und verteilen Joint-Blättchen

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7. Juni 2019 - 17:24 Uhr

Die Jungen Liberalen müssen viel Kritik einstecken

Umstrittener Wahlkampf der JuLis in Berlin. Bei der Ausbildungsmesse Vocatium verteilte die Jugendorganisation der FDP Blättchen mit der Aufschrift "Grün rauchen, gelb wählen" - eine Anspielung an die Legalisierung von Marihuana. An sich eine mittlerweile fest verankerte Diskussion im politischen Alltag – doch der Rausch nach Stimmen bei unter 18-Jährigen geht vielen zu weit.

Ein umstrittener Ort für Stimmenfang

Die Vocatium ist eine Messe, die sich an junge Menschen bereits ab 12 Jahren richtet. Zur Berufsorientierung. Hier kommt man leicht mit potentiellen Arbeitsgebern zusammen, kann sogar erste Bewerbungsgespräche führen und sich ein Bild einer möglichen Zukunft machen. Das dort auch ein Stand der Jungen Liberalen ist, ist kaum verwunderlich. Das dort dann aber Blättchen verteilt werden, die einzig und allein auf das Drehen von Joints ausgerichtet sind, und das zum Teil an 14-Jährige passt irgendwie so gar nicht zum Thema Perspektive für die Zukunft.

Nur ab 18 Jahren!

Gegenüber RTL.de betonten die Jungen Liberalen am Freitag, dass sich die Aktion mit den Werbemitteln ausschließlich an Volljährige richten soll. Es habe an alle den Hinweis gegeben, die Papers nicht an unter 18-Jährige zu verteilen. Die Werbemittel stammen noch aus dem Bundestagswahlkampf 2017. Auch damals richteten sich der Slogan und die Blättchen nur an Volljährige. Die Messe wurde ausgewählt, weil sich dort eben auch viele über 18-Jährige über Unis oder Berufe informieren würden. Und mit einer Legalisierung könne man junge Menschen dann eben auch besser schützen, da neben Qualitätskontrollen auch Alterskontrollen machbar wären. Einen Dealer interessiere nicht, wie alt sein "Kunde" ist.

Rein rechtlich alles im grünen Bereich

Der Jugendschutz wird hier übrigens nicht berührt. Ja, Rauchen und auch der Erwerb von Tabakwaren ist ausschließlich ab 18 erlaubt - Blättchen zählen aber nicht, wie Feuerzeuge übrigens auch nicht, zu Tabakwaren. Strafbar hat sich bei den JuLis damit also niemand gemacht. Unglücklich ist die Aktion allerdings schon. Das sieht auch die Jugendorganisation der FDP so ein.

Die Debatte um eine Legalisierung ist in Deutschland überfällig. Neben der FDP haben auch die Grünen längst einen Gesetzesentwurf zur Legalisierung in der Schublade. Eine Berufsbildungsmesse für Teenager ist allerdings einer der unpassendsten Orte, um die Diskussion in die Gesellschaft zu bringen.