Sechsjährigen aus dem 10. Stock geworfen

Tate-Modern-Täter über sein Motiv: "Ich wollte in die Nachrichten"

© Metropolitan Police

7. Dezember 2019 - 12:52 Uhr

Wahnsinns-Tat am Tate Modern in London

Er warf einen sechsjährigen Jungen aus dem zehnten Stock des Londoner Museums "Tate Modern" – die beiden hatten sich zuvor noch nie gesehen. Der 18-jährige Jonty Bravery hat die Tat jetzt vor Gericht gestanden. Sein Motiv macht sprachlos.

Tate-Modern-Täter: „Ich wollte es jedem Idioten beweisen"

Er habe bereits seit längerem geplant, jemanden zu verletzen, um ins Fernsehen zu kommen, gab der 18-Jährige zu. "Ich wollte es jedem Idioten beweisen, der sagt, dass ich keine psychischen Probleme habe. Ich wollte in die Nachrichten, wer ich bin und warum ich es getan habe", sagte er den Behörden.

Bravery sitzt seit der Tat in einer psychiatrischen Hochsicherheitsklinik in England. Bereits vor der Tat wurde bei ihm eine Autismus-Spektrum-Störung und eine Zwangsstörung diagnostiziert, mittlerweile steht auch eine Persönlichkeitsstörung im Raum.

Dem Gericht wurde er nur per Videoanruf zugeschaltet, wie die BBC berichtet. Das Urteil soll im Februar fallen.

04.08.2019, Großbritannien, London: Einsatzwagen stehen vor dem Tate Modern Museum. Ein 17-Jähriger soll einen sechsjährigen Jungen von einer Aussichtsplattform im zehnten Stock geworfen haben. Der Jugendliche wurde wegen des Verdachts auf versuchten
Am 4. August warf Jonty Bravery einen sechsjährigen Jungen aus dem 10. Stock der Tate Modern Galerie in London.
© dpa, Yui Mok, frd

Aus dem Nichts warf Jonty Bravery einen Jungen aus dem 10. Stock

Am 4. August besuchte Bravery die "Tate Modern"-Galerie in London. Offenbar konnte er seine Aufpasser abschütteln, die ihn auf den Ausflug begleitet hatten. Er sah sich auf der Aufsichtsplattform im 10. Stock um. Dann riss er plötzlich den Jungen aus den Armen seine Mutter und warf ihn wie aus dem Nichts über die Brüstung. Besucher hielten Bravery fest, bis die Polizei ihn festnehmen konnte. Zu einem Angestellten des Museums sagte er nach der Tat: "Ich glaube, ich habe jemanden ermordet, ich habe gerade jemanden vom Balkon geworfen."

Der Sechsjährige schlug auf einem Dach im fünften Stock auf, blieb schwer verletzt liegen. Er wurde mit einer gebrochenen Wirbelsäule, Hirnblutungen und mehreren Brüchen an Armen und Beinen ins Krankenhaus eingeliefert. Das Kind war mit seinen Eltern zu Besuch in London, die Familie stammt aus Frankreich.

Opfer konnte monatelang nicht sprechen, nicht essen

Der Junge musste mehrere Monate im Krankenhaus in London verbringen. Seine Familie hatte auf der Seite "GoFundMe" eine Spendenaktion für den Jungen gestartet und mehrere Botschaften zu seinem Zustand veröffentlicht. Er habe lange Zeit nicht sprechen, nicht mehr richtig essen, sich nicht bewegen können. Sein Zustand sei zwischendurch sehr schlecht gewesen. Jetzt sei er in einer Reha-Klinik in Frankreich, um sich weiter zu erholen.

160.000 Euro für kleinen Jungen gespendet

Am 10. November dann ein kleiner Hoffnungsschimmer: "Er macht große Fortschritte. Wir können ihn jetzt in einem Rollstuhl an die frische Luft bringen. Er lächelt und lacht wieder sehr viel", schrieb die Familie in ihrem neuesten Statement. Außerdem könne er seit ein paar Tagen wieder seine Beine etwas bewegen. Die Spendenaktion für die Familie läuft noch. Mittlerweile sind schon über 160.000 Euro zusammengekommen, um dem kleinen Jungen die bestmögliche Behandlung zu bieten.