Egoismus und Eigenvermarktung

Julian Nagelsmann kritisiert Fußball-Profis

Sieht den Fußball auf einem falschen Weg: Hoffenheims Coach Julian Nagelsmann
Sieht den Fußball auf einem falschen Weg: Hoffenheims Coach Julian Nagelsmann
© imago/Jan Huebner, Jan Huebner/Meiser, imago sportfotodienst

08. Januar 2019 - 23:20 Uhr

Kritik an aktuellen Entwicklungen im Fußball

Egotrip satt Team-Geist - die Mentalität der aktuellen Fußballprofi-Generation missfällt dem Cheftrainer von Bundesligist 1899 Hoffenheim Julian Nagelsmann gründlich. In einem Zeitungsinterview macht der 31-Jährige seinem Ärger - auch über andere Entwicklungen im Fußball - jetzt Luft.

Gepostet, spekuliert, ermittelt

"Es geht mehr und mehr um die Eigenvermarktung", kritisierte Nagelsmann die Profikicker. "Es ist scheinbar eine Entwicklung, die das 'Ich' immer mehr in den Vordergrund schiebt." Dass er dadurch als Trainer mehr und mehr in die Rolle als Moderator der unzufriedenen Reservespieler gedrängt wird, bereitet Nagelsmann zusätzlich Unbehagen.

"Es bringt einfach nichts, andauernd unzufrieden zu sein, weil Spieler dann in einen Teufelskreis kommen und durch die Unzufriedenheit auch wieder schlechter trainieren", sagte der Fußballlehrer in dem Interview mit der "Heilbronner Stimme", dem "Mannheimer Morgen" und der "Rhein-Neckar-Zeitung". "Damit tun sie mir nicht weh, sondern schaden sich selbst."

Nagelsmann: Fußball darf nicht inflationär werden

"Irgendwie steckt man im Fußball in einer Blase und hängt das Thema Fußball zu hoch", kritisierte der TSG-Coach und warnte zugleich vor einer Übersättigung der Fans. "Fußball ist grundsätzlich ein einfaches Spiel, das die Massen bewegt. Es darf aber nicht inflationär werden", so Nagelsmann.

Es gebe jedoch "extrem viel Fußballspiele und Übertragungen und  Berichte dazu rund um die Uhr, das begeistert dann vielleicht nicht mehr so", erklärte er. Nach der Ansicht von Nagelsmann wirkt sich das auch auf den Breitensport aus: "Diesen Trend sieht man doch überall. Selbst im Fußball gibt es ein Vereinssterben  wie noch nie in der Bundesrepublik."