Ecuador setzt ihn vor die Tür

Julian Assange in London verhaftet - Hier wird der WikiLeaks-Gründer abgeführt

11. April 2019 - 17:16 Uhr

Britische Polizei nahm Assange in der Botschaft fest

Sieben Jahre lang saß Julian Assange in Ecuadors Botschaft in London fest. Jetzt ist seine Zeit im selbstgewählten Exil endgültig beendet. Die britische Polizei hat den Australier in der Botschaft festgenommen. Zuvor hatte ihm die Regierung des lateinamerikanischen Landes das diplomatische Asyl entzogen. Im Video zeigen wir, wie der 47-Jährige – sichtbar gealtert und mit weißem Bart – von den Beamten regelrecht herausgeschleppt wird.

Julian Assange droht lebenslange Haft

Die Polizei teilte mit, sie habe am Donnerstag die Erlaubnis bekommen, die ecuadorianische Botschaft in London zu betreten, nachdem die Regierung in Quito ihr Asyl für Assange zurückgezogen hat. Dort wurde der 47-Jährige festgenommen. Anschießend brachten ihn die Beamten in eine zentrale Londoner Polizeistation.

Assange lebte seit 2012 in der Botschaft, nachdem das lateinamerikanische Land ihm Asyl gewährte. Der gebürtige Australier wollte so einer Festnahme und der von ihm befürchteten Auslieferung an die USA entgehen. Dort wird gegen ihn ermittelt, weil Wikileaks zahlreiche geheime US-Dokumente zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan veröffentlicht hat. Ihm droht womöglich eine lebenslange Haftstrafe. Laut britischer Polizei liegt ein Auslieferungsantrag aus den USA bereits vor.

WikiLeaks bezeichnet die Festnahme als illegal

Der ecuadorianische Präsident Lenin Moreno erklärte, man habe Assange wegen Verstößen gegen internationale Konventionen den Asylstatus entzogen. Er soll unter anderem Fotos, Videos und Privatgesprächen des Präsidenten veröffentlicht haben. Im Oktober hatte Ecuador deshalb begonnen, seine Besuche und Kommunikationsmittel einzuschränken.

WikiLeaks bezeichnet die Festnahme hingegen als illegal. Assange sei einem Tweet zufolge nicht freiwillig aus der Botschaft herausgekommen. Vielmehr seien die britischen Beamten von dem Botschafter in das Gebäude gelassen worden. Das würde gegen internationale Gesetze verstoßen. 

WikiLeaks im Fokus von US-Ermittlungen

Unklar war bislang, ob es in den USA überhaupt eine Anklage gegen Assange gibt - und was ihm in dem Fall genau vorgeworfen wird. Mitte November 2018 wurde aber bekannt, dass Assanges Name wohl versehentlich in einem US-Gerichtsdokument auftauchte. Die Passage legte nahe, dass es bereits eine Anklage gibt, die aber unter Verschluss gehalten wird, damit sich der Wikileaks-Gründer in Sicherheit wiegt.

WikiLeaks trat zunächst in Erscheinung mit der Veröffentlichung geheimer US-Dateien, die unter anderem Menschenrechtsverletzungen und die Tötung von Zivilisten durch amerikanische Truppen in Afghanistan dokumentierten.

​Zuletzt stand WikiLeaks aber vor allem im Fokus von US-Ermittlungen, weil die Enthüllungswebsite im Präsidentschaftswahlkampf 2016 gestohlene E-Mails der demokratischen Partei veröffentlichte. US-Behörden gehen davon aus, dass die E-Mails von russischen Hackern heruntergeladen und WikiLeaks zugespielt wurden.