Es geht um Missbrauchsvorwürfe gegen ihren Ex-Büroleiter

Julia Reda verlässt die Piratenpartei! Jetzt fordert sie: Wählt eine andere Partei

28. März 2019 - 18:02 Uhr

Julia Reda schockt die Piraten

Julia Reda ist nicht länger Piratin. Die Europapolitikerin hat die Partei aus Protest gegen ihren Ex-Büroleiter verlassen und in einem YouTube-Video dazu aufgefordert, die Partei bei den kommenden Europawahlen im Mai nicht mehr zu wählen. Was genau dahinter steckt, erklärt die 32-Jährige im Video.

Julia Reda: "Ich werde die Piraten zur Europawahl nicht wählen"

ARCHIV - 26.05.2014, Berlin: Die damalige Spitzenkandidatin der Piratenpartei Deutschland für die Europawahl Julia Reda,  in Berlin bei einer Pressekonferenz der Partei. Foto: Rainer Jensen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Julia Reda verlässt nicht nur das Europaparlament, sondern auch die Partei.
© dpa, Rainer Jensen, rje pzi kat axs

Die Piraten sind schockiert! Julia Reda verlässt nicht nur das Europaparlament, sondern auch die Partei. Der Grund: Auf der Liste für die Europawahlen am 26. Mai hat die Partei ihren ehemaligen Büroleiter Gilles Bordelais aufgestellt, dem sexuelle Belästigung vorgeworfen wird. "So jemand darf nicht gewählt werden", sagte Reda im Video und kündigte an: "Ich werde die Piraten zur Europawahl nicht wählen." Die 32-Jährige selbst habe die Parlamentsverwaltung im Juli 2018 aufgefordert, Bordelais zu kündigen und ihn von der Arbeit freigestellt. 

Ihre Entscheidung trifft die Piraten sehr hart, denn Reda ist nicht nur bei den Wählern beliebt, die 32-Jährige war auch das Gesicht der Partei im Kampf gegen die Urheberrechtsreform der EU. 

Julia Reda: "Ich werde die Piraten zur Europawahl nicht wählen"

Gilles Bordelais beim Bundesparteitag und Aufstellungsversammlung zur Europawahl der Piratenpartei im RuhrCongress. Bochum, 04.01.2014 | Verwendung weltweit
Gilles Bordelais soll mehrere Freuen belästigt haben.
© picture alliance / Geisler-Fotop, Marcus Golejewski/Geisler-Fotopr, Uwe Geisler

Obwohl Bordelais im November vergangenen Jahres die Kündigung erhielt, wurde er dennoch auf die Liste für die Europawahl aufgenommen. In einer Stellungnahme stellt die Partei das wie folgt dar: Im Februar teilte Bordelais dem Parteivorstand mit, dass er als Kandidat von der Liste zur Europawahl gestrichen werden wolle. Aber daran hat er sich offenbar nicht gehalten. Denn ohne Wissen der Partei habe er dennoch beim Bundeswahlleiter die nötigen Unterlagen zu seiner Kandidatur eingereicht.

Am 1. März habe die Partei den Bundeswahlleiter gebeten, Bordelais von der Liste zur Europawahl streichen zu lassen. Dies sei abgelehnt worden, so die Piraten weiter. Somit steht Gilles Bordelais noch immer auf Listenplatz 2.

Gilles Bordelais wehrt sich gegen die Vorwürfe

Gilles Bordelais hat sich gegenüber RTL zu den Vorkommnissen schriftlich geäußert. Der Politiker fühlt sich unter Druck gesetzt. Noch immer handele es sich nur um Anschuldigungen, die "von der Personalabteilung seit März 2019 untersucht" werden, so Bordelais. Obwohl das Verfahren wegen sexueller Belästigung noch laufe, würden er und seine Familie "in Mitleidenschaft" gezogen. 

Ebenso bezeichnet er die Darstellung der Partei rund um seine Kandidatur als falsch. "Zu keinem Zeitpunkt wurde mir seitens der Partei mitgeteilt, dass ich diese Unterlagen nicht einzureichen habe oder brauche", erklärt Bordelais. 

Seine Kandidatur werde er jedenfalls nicht zurückziehen. Die Vorwürfe nehme er jedoch ernst. "Wenn die Personalabteilung des Europaparlaments befindet, dass ich zum Assistenten nicht tauge, werde ich das Mandat nicht annehmen", so Bordelais.