Politik oder Schleichwerbung?

Julia Klöckner wegen Nestlé-Video in der Kritik

Klöckner in der Kritik Werbung für Nestlé?
01:31 min
Werbung für Nestlé?
Klöckner in der Kritik

30 weitere Videos

Julia Klöckner steht nach Twitter-Video unter Druck

Die Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, steht unter Druck. Der Grund: Am Montag veröffentlichte ihr Ministerium ein Video auf Twitter, in dem Klöckner neben dem Deutschland-Chef des Lebensmittelkonzerns Nestlé zu sehen ist. In dem circa eine Minute langen Clip würdigt Klöckner Nestlé dafür, Rezepturen zu ändern. Nach der Veröffentlichung hatte sich ein Shitstorm über die CDU-Politikerin Klöckner ergossen. Klöckner wurde vorgeworfen, für Nestlé zu werben und sich von der Industrie vereinnahmen zu lassen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformtwitter, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

Youtuber Rezo kommentiert das Video der Ministerin

Auf Nachfrage von RTL.de sagte eine Sprecherin des Ministeriums: "Dass wir als Bundesministerium nun verstärkt Kontakt mit einzelnen Unternehmen der Lebensmittelbranche aufnehmen, ist Beleg dafür, dass wir es mit der Umsetzung der Reduktionsstrategie sehr ernst nehmen."

Allerdings hatte ausgerechnet der Youtuber Rezo ("Die Zerstörung der CDU") unter dem Twitter-Post des Ministeriums kommentiert: "Fun Fact: Hätte ich exakt diesen Tweet mit genauso einem Video gepostet, hätte ich es als Werbung kennzeichnen müssen."

Das Ministerium konterte: "Wir verstehen den Punkt. Und gleichzeitig werben wir dafür, dass es vorangeht mit gesünderen Lebensmitteln - weniger Zucker, Fette, Salz. Dabei sehen wir gerade auch die ganz Großen in der Verantwortung!"

Ist das noch Politik oder Schleichwerbung?

Hat Rezo mit seinem Einwand etwa Recht? Nein, sagt Matthias Bannert, Experte für Social Media und Gründer einer Influencer-Agentur, im Gespräch mit RTL.de: "In diesem Fall hat Rezo nicht Recht. Denn wenn kein Geld oder eine vergleichbare Gegenleistung von Nestlé an die Ministerin geflossen ist, dann ist es auch keine Werbung." Weiter sagt Bannert: "Wenn Julia Klöckner es aus Überzeugung heraus gesagt hat, dann ist das vielleicht fragwürdig, aber ihr gutes Recht."

Etwas Kritischer sieht es ein Sprecher des Vereins LobbyControl, der zu RTL sagte: "Es ist zwar völlig in Ordnung als Ministerin, sich mit Unternehmen auszutauschen. Nicht in Ordnung ist, ein gemeinsames Werbevideo zu produzieren." Weiter: "Frau Klöckner bedient die Interessen von Nestlé und der Branche. Das macht das ganze fragwürdig."