"Es mangelt an Fachpersonal und Gerät"

Julen (2) fällt in tiefen Schacht: So läuft die Rettung in Málaga

15. Januar 2019 - 21:34 Uhr

Es wird schwierig an das Kind heranzukommen

Die Bergungsteams arbeiten pausenlos seit Sonntagmittag. Doch bis jetzt fehlt von dem kleinen Jungen, der beim Spielen in einen 110 Meter tiefen Schacht gefallen sein soll, jede Spur. Ob das Kind noch am Leben ist, weiß niemand. Und auch dann wird es schwierig, den Zweijährigen unbeschadet aus dem schmalen Bohrloch herauszuholen.

So gehen die Helfer jetzt vor

Albrecht Broemme, Präsident des Technischen Hilfswerks, kennt sich mit komplizierten Rettungseinsätzen aus. Oberhalb des Jungen könne man in dem Bohrloch nicht viel tun, erklärt er, "weil herunterfallende Steine ihn sonst erschlagen könnten". Das Loch zu vergrößern, damit Retter zu dem Kind herunter steigen können, kommt also nicht infrage. Die Helfer müssen jetzt einen zweiten Schacht graben, um Julen wieder an die Oberfläche zu holen.

Im Video erklärt der THW-Präsident, was die Bergungsteams in Spanien jetzt beachten müssen und wie man bei so einem Einsatz normalerweise vorgeht.

Kein Lebenszeichen von Julen mehr

Junge stürzt in Schacht
Der Zweijährige stürzte wohl beim Spielen in den Schacht.
© dpa, Bomberos De Málaga, afn nwi

Eigentlich sollte es ein schöner Sonntagsausflug auf Land werden. Julens Familie veranstaltete ein Picknick in einem hügeligen Waldgebiet in Totalán. Der Zweijährige fiel beim Spielen in den Schacht, der einen Durchmesser von nur rund 30 Zentimetern hat. Seine Familie sagte, dass sie das Kind in dem Loch noch weinen hörten. Seitdem gab es kein Lebenszeichen mehr.

Wer den Schacht auf der Suche nach Wasser gegraben hat, ist noch unklar. Bisher steht nur fest, dass derjenige sich wohl ohne die nötige Genehmigung ans Werk machte. Weder der Bergwerks- noch der Wasserbehörde liege ein solches Dokument vor, sagte ein Sprecher der andalusischen Regionalregierung der Zeitung "El País".

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Rettungseinsatz in Spanien
Die Retter graben einen zweiten Schacht, um an das Kind heranzukommen.
© imago/ZUMA Press, Lorenzo Carnero, imago stock&people

Mit einer Roboterkamera kamen die Helfer nur 80 Meter tief in den Schacht hinein. Dann verstopfte lose Erde die Öffnung. Bis jetzt fanden die Helfer nur eine Tüte mit Süßigkeiten, die der Junge dabei hatte. "Es mangelt sowohl an Fachpersonal, als auch an Gerät, um die Rettungsarbeiten effizienter und schneller voranzutreiben", berichtet RTL-Reporterin Pia Schrörs aus Spanien.

Inzwischen beteiligen sich mehr als 100 Feuerwehrleute, Polizisten und Mitarbeiter des Zivilschutzes an dem Rettungseinsatz. Auch Experten von Firmen und Universitäten wurden zur Hilfe geholt. Aus der Kohle-Region Asturien kamen erfahrene Minenarbeiter.

Alle hoffen auf ein Wunder

Die Eltern des kleinen Jungen Victoria und José wollten die Unfallstelle nicht verlassen. Sie blieben auch nachts in der Nähe des Lochs, in dem das Kind vermutet wird. Bereits 2017 musste die Familie aus El Palo – einem Vorort von Málaga – einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Damals starb bereits Julens älterer Bruder bei einem Strandspaziergang an plötzlichem Herzversagen.

Mit jeder Minute, die verstreicht, schwinden die Chancen für den Zweijährigen. Alle hoffen jetzt auf ein Wunder, dass die Eltern ihren kleinen Sohn bald wieder in die Arme schließen können.