RTL-Reporterin Pia Schrörs spricht an der Unglücksstelle mit Verwandten

Julen (†2): Brunnenschacht wurde für Avocado-Anbau gebohrt

07. Februar 2019 - 17:39 Uhr

Im Video: RTL-Reportage aus Spanien

Julens Patenonkel Pedro bricht in Tränen aus, als er mit RTL-Reporterin Pia Schrörs erstmals seit der Bergung des kleinen Julen an den Unglücksschacht tritt. Hier war der Zweijährige beim Spielen in ein Bohrloch gestürzt. Die Bergung hatte sich über 13 Tage hingezogen. "Ein Oberstleutnant der Guardia Civil hat uns während der Rettung gesagt, wir arbeiten eben mit der miesen Ausrüstung, die wir haben", erklärt Pedro. Bereits während der Bergungsaktion war eine Welle der Kritik ausgebrochen.

Laut Greenpeace Millionen illegale Bohrlöcher in Spanien

Julen und die Angehörigen, die durch eine schier unendliche Hölle der Gefühle getrieben wurden, sind Opfer des spanischen Dürredramas. Der 107 Meter tiefe Brunnenschacht, in den das Kind am 13. Januar bei einem Familienausflug stürzte, wurde ohne Genehmigung auf der Suche nach Wasser gegraben.

In Spanien ist das keine Seltenheit. Im Gegenteil: Nach Schätzung der Umweltorganisation Greenpeace gibt es im ganzen Land über eine Million solcher illegaler Löcher. Die Zeitung "El Mundo" schrieb, in Wirklichkeit seien es viel mehr. Vor allem im Süden und im Landesinneren gibt es immer mehr steinwüstenähnliche Landschaften. Besitzer von Grundstücken und Fincas beauftragen deshalb illegale Bohrungen. So hat es auch ein entfernter Verwandter Julens gemacht, dem das Grundstück gehört, auf dem der Junge tödlich verunglückte.

"Das werde ich mir nie verzeihen"

David Serrano Alcaide heißt der Mann, der das Bohrloch in Auftrag gegeben hatte. "Das werde ich mir nie verzeihen, dass ich diese Gefahr nicht vorhergesehen habe", sagte er in einer Pressekonferenz. Warum er einem Brunnenbauer 5.300 Euro schwarz bezahlte, erklärt er im RTL-Interview: "Ich wollte Avocados und Mangos anbauen, deswegen brauchte ich eine Wasserquelle."

Im Video oben zeigt der Verwandte der Familie, wie er das offene Loch nach der erfolglosen Suche nach Wasser abdeckte.