Jugendliche Straftäter: Macht die Turbo-Justiz jetzt Schule?

11. Juli 2015 - 15:51 Uhr

Verurteilung fünf Tage nach Gewaltvideo im Netz

Das Video, das die beiden Täter auf Facebook hochgeladen haben, zeigt wie brutal und skrupellos sie in Salzgitter vorgegangen sind. Mehrmals tritt das Mädchen mit ausgestrecktem Bein gegen den Kopf des Rentners. Der 72-jährige Mann sitzt wie erstarrt in seinem Sessel. Eine andere Szene zeigt wie ihr 20-jähriger Freund auf den wehrlosen Mann einprügelt.

Experten fordern mehr Turbo-Justiz.
Die Angeklagten aus Salzgitter, die einen Senioren verprügelt haben, wurden innerhalb weniger Tage verurteilt.

Beide Täter sind der Polizei bekannt und können deshalb schnell identifiziert werden. Am Montag geben sie die Tat zu, am Freitag stehen sie bereits vor Gericht und werden verurteilt. Der 20-jährige zu zwei Jahren und neun Monaten ohne Bewährung, die 17-jährige zu einer Jugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

"Fingerzeig des Gesetzes muss schnell kommen"

Durch eine eindeutige Sach- und Beweislage konnte die Verurteilung so schnell passieren. Denn die Täter waren geständig und das Video als Beweis unstrittig. Kriminalpsychologen begrüßen eine solche unmittelbare Bestrafung. "Es ist für junge Leute wichtig, dass der Fingerzeig des Gesetzes nicht nach vielen Monaten gezeigt wird, sondern dass sie rasch eine Sanktion erhalten können. Dann kann ein psychischer Zusammenhang zwischen der Tat und der Sanktion hergestellt werden", so Kriminalpsychologe Rudolf Egg.

So muss der 20-Jährige nach dem Richterspruch sofort ins Gefängnis. Die junge Frau hat bereits mit einem Sucht-Clearing-Programm begonnen, nachdem sich beide Täter regelmäßig getroffen hatten, um zu trinken und zu kiffen. Durch ihre Strafe, so die Urteilsbegründung, sollen sie jetzt Strukturen kennenlernen.