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Jürgen Trittin: Erdogans Drohungen sind "albern"

24. Januar 2020 - 11:41 Uhr

"Erdogan wird nie die Grenze aufmachen"

Grünen-Politiker Jürgen Trittin hat die Ankündigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die Grenzen nach Europa für Hundertausende Flüchtlinge zu öffnen, als "albernes Drohverhalten" bezeichnet. "Erdogan wird nie die Grenze aufmachen", sagte er vor dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Erdogan der RTL/ntv Redaktion. "Dann würde nämlich auch ein Großteil der Oppositionellen massenhaft das Land verlassen. Daran kann er kein Interesse haben."

Deutschland müsse Erdogan seine Grenzen aufzeigen

Trittin forderte, die "Dinge mal geradezustellen". Die Türkei sei von der EU abhängig, nicht umgekehrt. Wie man mit Erdogan umgehen sollte, habe der russische Präsident Wladimir Putin gezeigt. "Als Erdogan mal ein Flugzeug der Russen abgeschossen hat, hat Putin kurzerhand sämtliche Flugverbindungen in die Türkei gestoppt. Es kamen keine Touristen mehr. Und es hat kein halbes Jahr gedauert, bis Herr Erdogan der beste Freund von Putin war", sagte Trittin. "Deutschland und Europa müssen Herrn Erdogan gelegentlich mal seine Grenzen aufzeigen und ihm klarmachen: Wenn er nicht kooperiert, dann wird bei ihm auch nicht mehr investiert - weder industriell, noch in der Tourismuswirtschaft."

Erdogan stehe im eigenen Land "massiv unter Druck". Der wirtschaftliche Aufschwung sei lange seine Stärke gewesen und nun abgerissen. Seine Politik habe darauf abgezielt, dass bestimmte Kreise der Gesellschaft sich bereichern konnten. "Das fehlt jetzt anderswo." Aus seiner Sicht tue Europa gut daran, selbstbewusst aufzutreten. "Und das erwarte ich von Frau Merkel. Ich erwarte von ihr Realismus. Ja, man wird Syrien nicht ohne Erdogan lösen können, er spielt auch eine bestimmte Rolle in Libyen. Aber er ist nicht der Diktator, der uns irgendwas zu erzählen hat. Er diktiert gegenüber seinem eigenen Volk, aber nicht gegenüber Europa."