2017 M12 19 - 17:35 Uhr

Todenhöfer als erster deutscher Journalist seit 1,5 Jahren im Jemen

Im Jemen herrscht seit etwa drei Jahren ein Krieg, der oft vergessen wird. Dabei ist die Lage dort immer noch katastrophal: Zwei Drittel der Bevölkerung leidet unter Hunger, hunderttausende Menschen sind an Cholera erkrankt und laut Unicef ist der Jemen einer der schlimmsten Orte für Kinder weltweit. Jürgen Todenhöfer ist nun als erster deutscher Journalist seit 1,5 Jahren in den Jemen gereist und berichtet über das Elend im Jemen.

Katastrophale Zustände im Jemen

Der Publizist und ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete reist seit zwei Wochen durch den Jemen. Die Anblicke, die sich ihm bieten, schockieren den Publizisten: Vor Hunger aufgeblähte Babybäuche, todkranke Menschen und zerstörte Häuser. Wie so oft leiden die Ärmsten am meisten unter dem Stellvertreterkrieg, der zwischen dem Iran und Saudi-Arabien geführt wird.

Seit 2014 kämpfen schiitische Huthi-Rebellen gegen die sunnitische Regierung. Ein saudi-arabisch geführtes Militärbündnis unterstützt die Regierung und bombardiert Huthi-Stellungen.

"Fast jeden Abend werden hier Bomben abgeworfen, aber die Menschen sterben nicht nur durch die Bomben, sondern auch durch den Bodenkrieg", berichtet Todenhöfer. Laut UN-Angaben wurden bisher 8.400 Menschen getötet und rund 48.000 verletzt. Drei Millionen leben auf der Straße.

Menschen im Jemen leiden an Hunger und Cholera

Ein Kämpfer der schiitischen Huthi-Rebellen in Sanaa (Jemen)
Zerstörungen in Jemens Hauptstadt Sanaa
© dpa, Hani Al-Ansi, OWE joh gfh

Hunderttausende Menschen im Jemen hungern - mehr als die Hälfte aller Kinder sind akut unterernährt. Weil sie nichts zu essen und zu trinken haben, gibt es Seuchen, unter anderem Cholera. 900.000 Menschen sind von der Krankheit betroffen, rund 2.200 sind bereits gestorben.

Todenhöfer glaubt dennoch, dass der Krieg überwindbar ist: Er hat sich im Jemen sowohl mit der offiziellen Regierung als auch mit Rebellen getroffen und dabei grundsätzliche Friedensbereitschaft erlebt: "Bis auf einen Einzigen haben alle gesagt, dass sie es sich auf jeden Fall vorstellen können, irgendwann wieder in Frieden zu leben - sie hätten schließlich zuvor auch jahrhundertelang in Frieden gelebt", so Todenhöfer. Im Video erfahren Sie, was Todenhöfer für eine angemessene Strategie zur Lösung des Konflikts hält.