Niederländische Verteidigungsministerin als Sicherheitsleck

Peinliche Panne: Journalist crasht Videokonferenz der EU-Verteidigungsminister

22. November 2020 - 18:34 Uhr

Daniël Verlaan entschuldigt sich für Störung in Geheim-Treffen

Plötzlich in einem geheimen Treffen der 27 EU-Verteidigungsminister: So einfach? Daniël Verlaan ist sein Überraschungscoup anzusehen. Der niederländische Journalist hatte offensichtlich nicht damit gerechnet, dass er sich ohne Probleme in die Videokonferenz der Spitzenpolitiker hacken konnte. "Sie wissen, dass Sie an einem geheimen Treffen des Rates teilnehmen?", fragte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell den Überraschungsteilnehmer von "RTL nieuws". Was Verlaan zu der Aktion sagt, sehen Sie im Video.

Niederländische Ministerin für peinliche Panne verantwortlich

Dass der Journalist sich in das Treffen einwählen konnte, geht auf die Kappe der niederländischen Verteidigungsministerin. Trotz monatelanger Videokonferenz-Routine hielt sie es für eine gute Idee, ein Foto von sich am heimischen Küchentisch zu posten. Die geplante Botschaft: Von hier vertrete ich die Interessen meiner Wähler – corona-konform vom eigenen Rechner aus.

Dass solche Schnappschüsse gefährlich werden können, davor hatte ihr Landsmann Verlaan auf Twitter schon im März gewarnt. Denn: Auf dem Foto der Ministerin waren fast die vollständigen Zugangsdaten zur Videokonferenz zu sehen. Ein aufmerksamer Nutzer hatte die "RTL nieuws" darauf hingeweisen. Verlaan brauchte keine besonderen Hacker-Fähigkeiten, er musste nur noch die letzte Ziffer der Meeting-ID herausfinden. Und schon tauchte er, wie im Video zu sehen, im Geheimtreffen auf.

Daniël Verlaan: Nicht, dass ich euch nicht gewarnt hätte

Am Tag nach seinem EU-Überraschungsauftritt wie Verlaan auf Twitter noch einmal auf eine frühere Warnung hin. Diese hätte Verteidigungsministerin Ank Bijleveld-Schouten sicher weitergeholfen. Lautete sie ins Deutsche übersetzt doch: "Für jeden, der jetzt Fotos von seinem Laptop im Homeoffice macht, seid euch bewusst, dass auf eurem Desktop empfindliche Informationen zu sehen sein können, von priovaten Daten, über geheime Login-Links bis zu Programmen, die ihr benutzt."

Im Falle der Ministerin war es zwar nicht der Desktop ihres Laptops, sondern ganz old school ein Zettel mit den Login-Daten, doch der Warnungstweet des Journalisten ist sehr gut gealtert, wie er selbst beweisen konnte. "Es ist nicht so als hätte ich euch nicht gewarnt", kommentierte er – bevor er nach einer ereignisreichen Woche ein unverfängliches Strandfoto twitterte. Vielleicht auch als Vorbild-Post für die Verteidigungsministerin seines Landes.