Psycho-Szenen erschüttern Publikum

„Joker“: Macht dieser Film depressiv?

7. Oktober 2019 - 18:48 Uhr

Zuschauer in den USA verlassen vorzeitig den Saal

In den USA ist der Kinofilm "Joker" bereits ein Riesenerfolg: Rund 85 Millionen Euro spielte er am ersten Wochenende ein. Doch die Comic-Adaption rund um den späteren Batman-Widersacher erntet nicht nur Lorbeeren. Viele Zuschauer konnten den Film psychisch offenbar nicht ertragen, mussten den Saal vorzeitig verlassen. Sie fordern: "Joker" sollte eine Trigger-Warnung für sensible Menschen haben. RTL-Moderator Maurice Gajda hat den Drama-Thriller, der bald auch mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren in den deutschen Kinos startet, bereits gesehen. Was er davon hält, verrät er im Video.

„An alle, die Depressionen haben: Bitte seid gewarnt“

Die US-amerikanischen Fans stürmten erst die Kinos – und viele von ihnen kurz darauf Twitter, um vor der Brutalität von "Joker" zu warnen. "Ich bin rausgegangen. Ich konnte es einfach nicht", schreibt ein User. Ein anderer berichtet von drastischen Folgen: "'Joker' sollte eine Trigger-Warnung haben! An alle, die an Depressionen oder einer anderen psychischen Krankheit leiden: Bitte, bitte seid gewarnt. Ich hatte nach 20 Minuten eine verdammte Panikattacke."

Ein weiterer Tweet fordert die Twitter-Nutzer auf, sich lieber für mentale Gesundheit einzusetzen: "Ich empfehle, Abstand von 'Joker' zu nehmen. Ich bin noch nie aus einem Film raus, während er noch lief – bis heute. Lasst uns stattdessen den Menschen lieber Personen, Forschung und Ressourcen aufzeigen, die wirklich helfen."

Amoklauf von 2012 sorgte schon vor Verfilmung für Kritik

"Joker" erzählt die Geschichte des gescheiterten Comedians Arthur Fleck (gespielt von Joaquin Phoenix), der von seiner Umwelt permanent ausgelacht, gemobbt und misshandelt wird. Langsam driftet er so in den Wahnsinn ab – und wird so zum Superschurken "Joker". Kritiker bemängelten schon im Vorfeld, dass der Film Gewalt verherrlichen und soziale Probleme als Rechtfertigung für extreme Brutalität darstellen würde.

Vor allem die Hinterbliebenen des Amoklaufs, der 2012 bei einer Premiere von "Batman – The Dark Knight Rises" 12 Menschen das Leben kostete, waren entsetzt und forderten in einem offenen Brief an die Macher, das Comic-Monster nicht als Helden zu zeigen. Tatsächlich dürfen Fans in vielen US-Kinos aus Sicherheitsgründen keine Masken, Kostüme oder Farbe im Gesicht tragen. Der Amokläufer war damals in "Joker"-ähnlicher Aufmachung vor Gericht erschienen.

Appell an Gesellschaft statt Gewaltverherrlichung

Für Schauspielerin Zazie Beetz, die im Film die Geliebte von Arthur spielt, ist der Thriller aber weniger Verherrlichung von Gewalt als ein Anstoß, nicht wegzusehen: "Ich denke, es ist eine Art Mitgefühl gegenüber sozialer Isolation und auch unsere Pflicht als Gesellschaft, uns mit den Menschen zu beschäftigen, die irgendwie durchs Raster gefallen sind."

Ob ein Gang ins Kino bei gesunden Menschen Depressionen auslösen kann, ist fraglich. Wer aber weiß, dass er an bedrückenden und brutalen Szenen generell zu knabbern hat, sollte vielleicht lieber einen anderen Film als "Joker" wählen.

Hilfe bei Depressionen

Wenn Sie den Verdacht haben, an einer Depression zu leiden, ist es wichtig, dass Sie sich professionelle Hilfe holen. Sprechen Sie mit jemandem, dem Sie vertrauen. Eine gute erste Anlaufstelle ist beispielsweise der Hausarzt. 

Darüber hinaus gibt es viele Beratungsstellen, die Ihnen bei Depressionen zur Seite stehen. Sie können sie online, telefonisch oder persönlich vor Ort erreichen und sich vertrauensvoll an sie wenden, um über psychische Probleme zu sprechen.