Ex-Berater von Trump hat Enthüllungsbuch veröffentlicht

John Boltons Abrechnung mit Donald Trump

Bolton hofft auf Abwahl Trumps
© dpa, Patrick Semansky, PS wst pat

23. Juni 2020 - 8:59 Uhr

von Peter Kleim, Washington

Bücher über die ungewöhnliche Präsidentschaft Donald Trumps wurden schon viele geschrieben. Doch nicht von einem Regierungsmitarbeiter aus der allerersten Reihe. Und nie zuvor hatten Trump und sein Justizminister so hartnäckig versucht, eine Publikation zu verhindern. John Boltons heute (23.06.2020) in den USA erscheinendes Buch "The Room Where it Happened" ist bereits auf Platz 1 von Amazons Bestsellerliste. Sein zwei-Millionen-Dollar-Autorenhonorar scheint sich für den Verlag zu lohnen.

Kein Buch mit Anekdoten oder Schenkelklopfern

Amüsant ist es nicht, kein Vergnügen, zu lesen. Nein, John Boltons Buch ist kein Enthüllungsbuch, über und über gespickt mit Anekdoten zum Händereiben und Schenkelklopfen. Nun, dass Donald Trump fragte, ob Finnland zu Russland gehöre, wurde schon vorab bekannt (in der Tat fragte er auch, ob Helsinki nicht wenigstens so etwas wie ein Satellit Moskaus sei) oder dass er nicht wusste, dass Großbritannien eine Atommacht ist.

Ja, wir dürfen auch  erfahren, wie er nach heftigem Streit beim NATO-Gipfel in Brüssel vor der Abreise zu Kanzlerin Merkel geht und sie mit den Worten "I love Angela" auf beide Wangen küsst. Aber Trump'sche Schmatzer kennen wir auch vom Gruppenfoto des G-7-Gipfels in Biarritz.

John Boltons "The Room Where it Happened", der Raum in dem es geschah, ist vielmehr ein penibles Protokoll eines Mannes, der gern das englische Wort rigor benutzt: Genauigkeit, Härte, Sorgfalt.  Für den Regieren Präzisionsarbeit ist.

Also genau das Gegenteil eines  Donald Trumps, in dem sein ehemaliger Sicherheitsberater einen wandelnden Dilettanten sieht:  geleitet von "Instinkt, Bauchgefühl, sich verlassend auf persönliche Beziehungen zu ausländischen Führern, Selbstdarstellung und TV-Momente als oberste Priorität."

Im Video schätzt USA-Experte und Politik-Wissenschaftler die Wirkung des Buches für uns ein: Welche Details werden für Donald Trump besonders unangenehm?

Bolton: Trump bewundert Diktatoren und Autokraten

ARCHIV - 29.06.2019, Japan, Osaka: Präsident Donald Trump (l) trifft den chinesischen Präsidenten Xi Jinping während eines Treffens am Rande des G-20-Gipfels. (zu dpa "Boltons Buch: Ex-Sicherheitsberater rechnet mit Trump ab" am 18.06.2020) Foto: Sus
Donald Trump und Xi Jinping
© dpa, Susan Walsh, SAW gfh pil

Nicht, dass andere Präsidenten auch Bauchgefühl, persönliche Beziehungen und Selbstdarstellung in ihrem Repertoire gehabt hätten, aber, so Bolton, bei denen war das nicht alles. Da waren auch Analyse, Planung, intellektuelle Disziplin.

Nicht so bei Trump, wie Bolton bald nach seinem Amtsantritt am 9. April 2018 erfahren wird. Da lernt er aus Nahsicht, wie Trump Diktatoren und Autokraten bewundert.

Wie Präsident Erdogan, den starken Mann der Türkei. "Obwohl die Medien Trump als hirnlosen Anti-Muslim porträtieren", schreibt Bolton," hat er ironischerweise nie begriffen, dass Erdogan selbst ein radikaler Islamist ist". Trotz der Erklärungsversuche Verbündeter in Europa oder seiner eigenen Berater.

Oder als Chinas Präsident XI Jinping vor dem Beginn des G20 Gipfels in Osaka Trump erklärt, warum er de facto Konzentrationslager für die Uiguren baue.  Trumps Antwort: er solle ruhig damit weiter machen. Das sei völlig richtig so.

Und in einem Treffen mit Angela Merkel deutete Trump an, ein ukrainischer Präsident, der Moskau freundlich gegenüberstehe, könne einen Dritten Weltkrieg verhindern. "Putin", so Bolton, " hätte das gemocht."

Warum schreibt Bolton ein Buch statt im Amtsenthebungsverfahren auszusagen?

Ob Politiker für Trump Autorität besitzen, entscheidet sich nach Boltons Beobachtung an kleinen Dingen. Wie zum Beispiel einem Ehering, den Trump an dem Finger der Ehefrau von Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaido bei einem Treffen im Oval Office vermisste.  Guaido sei "schwach",  Maduro "stark".  

Trumps im Buch detailliert beschriebene Erpressung der Ukraine, nur dann vom Kongress beschlossene Militärhilfe zu gewähren, wenn die im Gegenzug Schmutz über Joe Biden liefert und sein Vertuschungsversuche danach, was zu Trumps Impeachmentführte; sein Engagement auf Erdogans Drängen für die türkische Halkbank, die gegen Iran-Sanktionen verstoßen haben soll; oder Gefälligkeiten gegenüber Xi Jinping - all das ist für Bolton "Justizbehinderung als way of life".

So soll er nicht nur die Ukraine für seine Wiederwahl erpresst, sondern auch Xi direkt aufgefordert haben, mehr Agrarprodukte aus den USA zu kaufen. Die ländlichen Staaten  seien wichtig für ihn. 

"Als 1992, Unterstützer von Bush 41 (Bush senior) vorgeschlagen hatten, er soll ausländische Regierungen bitten, ihm bei seinem scheiternden Wahlkampf gegen Bill Clinton zu helfen, hatten Bush und (sein Außenminister) Jim Baker das vollständig abgelehnt", schreibt Bolton. "Trump tat das genaue Gegenteil."

Der Kongress hätte Trump nicht nur wegen Amtsmissbrauch im Falle der Ukraine ein Amtsenthebungsverfahren einleiten sollen. Die oppositionellen Demokraten hätten Trumps Fehlverhalten nicht sorgfältig genug untersucht. Doch warum Bolton nicht damals, sondern erst in einem für ihn lukrativen Buch auspackte, ist eine andere Frage. 

John Bolton ist ein neokonservativer Hardliner

ARCHIV - 30.09.2019, USA, Washington: John Bolton, ehemaliger Sichehreitsberater der USA, gestikuliert bei einer Rede im Center for Strategic and International Studies. Bolton kann sein Buch mit explosiven Vorwürfen gegen US-Präsident Trump einer Ger
Bolton hat ein festes Weltbild, folgt einer Ideologie und hat - seine-  Prinzipien. Sein Buch wird daher zu einer Abrechnung mit seinem Präsidenten Donald Trump.
© dpa, Pablo Martinez Monsivais, PM nwi

Im Gegenteil zu der "Achse der Erwachsenen", die wie Ex-Außenminister Rex Tillerson oder Ex-Verteidigungsminister Jim Mattis versucht hatten, Donald Trump zu zähmen, nutzte Bolton seine 17-monatige Amtszeit, zur Umsetzung seiner eigenen außenpolitischen Ziele: Der Kündigung des Atom-Vertrages mit dem Iran oder dem Ende des IMF-Vertrages. Dass Trumps Verhandlungen mit Nord-Koreas Diktator Kim Yong Un erwartungsgemäß scheiterten, ärgerte Bolton kaum.

John Bolton ist ein neokonservativer Hardliner, ein Falke, ein Protagonist des Iran-Krieges. Bolton hat ein festes Weltbild, folgt einer Ideologie und hat - seine-  Prinzipien. Und genau deshalb wird sein Buch zu einer Abrechnung mit seinem Präsidenten.  Zur Demontage eines Egomanen,  ungebildet, prinzipienlos, nur auf sich selbst bedacht, dessen "Entscheidungen in nationaler Sicherheitspolitik mehr von Tagespolitik abhängen, denn von Philosophie, Strategie oder außen- und verteidigungspolitischen Begründungen." 

Donald Trumps Handlungen seien nur davon geprägt, ob sie seiner Wiederwahl dienten. Sollte sich Trump zügeln,  sollte er noch irgendwelche politischen Leitplanken haben, dann nur, weil sie ihm im November nützen könnten. Eine zweite Amtszeit, wäre deshalb brandgefährlich.

"Konservative und Republikaner sollten besorgt sein", wenn Trump  sich nicht mehr von einer Wiederwahl leiten lassen müsse. Reklamiere er doch schon jetzt,  "die Macht des Präsidenten ist total und genau so muss es sein."

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